Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskunde in Wien 1966-2006
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2006, Heft 3

Mitteilungen

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unterschiedlichen Palmbuschen besonders beeindruckend; meine Muttererklärte mir, daß diese zum Volkskundler im Hause, zu Dr. Lipp gehörten.)

Nahezu unumgänglich war der Besuch der beiden Wolframschen Vor-lesungen, die er in einem Zyklus von zehn Semestern anbot, zweistündig diefreitägliche Haupt-, einstündig die dienstägliche Nebenvorlesung. Wolframwar- gerade ich, der ich mich mit seinem Leben und Werk mehrfach undkritisch auseinandergesetzt habe, darf das sagen- Wolfram war eine faszinie-rende Persönlichkeit mit Überzeugungskraft, dem man gerne glaubte, was ervermittelte. In diesen gut strukturierten Vorlesungen( deren Grundgerüst, wiewir heute wissen, bereits aus seiner ersten Zeit als Professor stammte), unter-brochen durch unzählige Dias, fallweise auch durch Gesang und Tanz, und miteinem Gespür für Didaktik zu Zeiten, wo Hochschuldidaktik noch ein absolutesFremdwort war, gelang es ihm, seine Sichtweise volkskundlicher Phänomene,vor allem ihr hohes Alter, für eine gewisse Zeit auch zu unserer zu machen.Eines ist sicher( und alle, die ihn einmal einen imaginären Pfirsich essen sahen,werden mir recht geben): wäre Wolfram nicht Wissenschaftler geworden, erhätte eine große Karriere als Schauspieler machen können.

Faszinierend war selbstverständlich auch, daß er, gerade wenn er überThemen wie Brauch, Tanz, Südtirol, Skandinavien, die ,, deutschen Sprach-inseln" im östlichen Europa etc. sprach, auf persönliche Erfahrungen undeigene, teilweise über dreißigjährige Forschungen in weiten Teilen Europaszurückgreifen konnte- und in diesem Zusammenhang nicht selten betonte,daẞ Leopold Schmidt derlei Feldforschungserfahrungen nicht besitze, alsoein Schreibtischgelehrter sei. Immer wieder kam Wolfram auch aufSchmidts obgenannten Aufsatz zu sprechen, auf die ,, Volkskunde als Geis-teswissenschaft" und als ,, Wissenschaft vom Leben in überlieferten Ord-nungen, wobei er aus ihm gerne herauslas und uns vermittelte, was gar nichtenthalten ist etwa das Schreckgespenst der multinationalen, Sprachgren-zen überschreitenden, Sterzesser", die für Schmidt wichtiger wären als,, völkische Gemeinsamkeit. Aus gutem Grunde erwähnte er hingegenSchmidts frühe Bemerkungen zu NS- Volkskunde und NS- Volkskundlernnicht, und gleichfalls nicht, daß die ,, überlieferten Ordnungen wohl nichtganz unabhängig von Arthur Haberlandts Aufsatz und Theorie der ,, Lebens-kreise" aus der Zwischenkriegszeit formuliert worden waren( auf die inseinen Anmerkungen übrigens auch Schmidt nicht direkt Bezug nimmt).

In den Vorlesungen von Leopold Schmidt, an Montagen von 10-12 Uhrim alten Lesesaal der Bibliothek in der Laudongasse abgehalten, ist imGegensatz dazu der Name Wolfram meiner Erinnerung nach niemals gefal-len. Sie die Vorlesungen- unterschieden sich schon dadurch von denenWolframs, daß Schmidt frei sprach, lediglich Zettelchen umblätternd, in dieer selten einen Blick warf. Auch bei den Themen gab es kaum je Überschnei-