2006, Heft 3
Mitteilungen
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Rudolf Kriss wieder, wenigstens als Dozent, an die Universität Wien zubinden. 1933 hier habilitiert, während des Krieges beurlaubt und verfolgt,wäre er wissenschaftlich und als Opfer des nationalsozialistischenSchreckensregimes prädestiniert gewesen, am Wiederaufbau demokrati-scher Universitätsstrukturen mitzuwirken, mit seinem Freund LeopoldSchmidt zusammenarbeitend. Dieser hatte ab 1936 die ,, Sammlung Kriss"betreut, die im selben Jahr als ,, Sammlung für deutsche religiöse Volkskun-de" in Wien zugänglich gemacht worden war. Rudolf Kriss und LeopoldSchmidt gemeinsam an der Universität Wien dazu gibt es nun, leider,
wirklich nichts zu sagen.
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Zu sagen gibt es hingegen etwas über die Entwicklung nach 1959.Richard Wolfram betrieb erfolgreich seine dann 1963 verwirklichte Ernen-nung zum Ordinarius und, gleichfalls mit Erfolg, die Reduktion der Lehr-tätigkeit von Leopold Schmidt, was nahezu zwangsläufig zur Folge hatte,daẞ künftig fast alle Studierenden bei Wolfram dissertierten. Dazu trugsicherlich auch der Fakultätsbeschluß von 1961 bei, abermals ein Institutfür Volkskunde zu etablieren, also ein universitäres Zentrum für Lehre undForschung einzurichten. Dieses konnte im Herbst 1964 im 1. Stock desHauses Hanuschgasse 3 besiedelt und im Frühjahr 1966 offiziell eröffnet
werden.
Womit nun jenes Jahr erreicht ist, das im Titel dieses Textes eigentlichdessen Anfang markiert. Angekommen bin ich auch im Bereich persönlicherErinnerung: 1964 hatte ich, wie viele Mitstudierende auch, nach mancherleiuniversitären Umwegen zur Volkskunde gefunden. Im( zuerst noch gepölz-ten) Hörsaal, in der wachsenden Bibliothek, ungleich mehr aber schondamals und in den folgenden Jahren in der angeschlossenen Küche, Aufent-halts- und anregender Debattierraum zugleich, traf eine Gruppe von meist20- bis 25jährigen zusammen, die künftig nicht nur die gemeinsamenStudien verbinden sollte, sondern auch langjährige Freundschaften, Liebe-leien, Ehen... Zu diesem studentischen Kern stieß zu Beginn des Sommer-semesters 1966, vor ziemlich genau vierzig Jahren also, ein junger Mannaus Bad Ischl, Franz( J.) Grieshofer- das ,, J" ist in Klammer gesetzt, dennden Josef hat er erst viel später gestanden.
Er hatte- nach dreijähriger Tätigkeit als Lehrer in Oberösterreich( Mond-see, Vöcklabruck, Reindlmühl) und Bundesheer zuerst ein Semester in
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Salzburg und danach drei weitere in Innsbruck studiert, dort Volkskunde undUrgeschichte, was er nun in Wien fortzusetzen gedachte. Der vom Wienerabweichende Innsbrucker Studienplan hatte ihm einen kleinen Vorsprungverschafft und ermöglichte ihm bereits den Besuch des WolframschenSeminars, das dieser- Freund langer schriftlicher Arbeiten- thematischstets auf zwei Semester erstreckte. Das galt auch für die an den Assistenten