Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskunde in Wien 1966-2006
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Mitteilungen

ÖZV LX/ 109

Geist und Ungeist der österreichischen Provinz, um nochmals Schmidt zuzitieren und seine Einschätzung vieler damals in Österreich volkskundlichTätiger zumindest anzudeuten, über diese andere Seite weiß man gleichfallsviel, aber keineswegs alles. Wenn man über etwas zu wenige Kenntnissebesitzt, kann man darüber allenfalls spekulieren. Dies soll hier nicht gesche-hen, jedoch an drei Beispielen angedeutet werden, worüber in den Fachge-schichten der letzten Zeit kaum etwas steht.

Was waren die Argumente, mit denen die Verantwortlichen für die Grün-dung und Verwirklichung des Österreichischen Volkskundeatlas( ÖVA) Leo-pold Schmidt von diesem ,, Gemeinschaftswerk der österreichischen Volks-kunde" ausgegrenzt haben? Ferngehalten von einem ,, Ehemaligen- Unter-nehmen", an dem, Schmidt weiter ,,, alle meine Gegner redlich- unredlichjahrelang herumgetan haben." Nun kann die Tatsache, daß Schmidt kein,, Ehemaliger"( und parteipolitisch überdies völlig unabhängig) war, eigent-lich kein Argument dafür gewesen sein, ihn nicht einzubinden( seine fach-lichen Qualitäten hatte Richard Wolfram sogar in der NS- Zeit betont). Dievon Schmidt diesbezüglich zur Klärung angeregte ,, spätere wissenschaftli-che Untersuchung dieses ganzen Atlas- Unternehmens ist bislang ausge-blieben und auch nicht möglich gewesen: bei der Auflösung der Gesellschaftfür den Österreichischen Volkskundeatlas und der Übergabe sämtlicherschriftlicher Unterlagen an das unter anderem zu diesem Zwecke gegründeteSalzburger Landesinstitut für Volkskunde hatte man sich eine überlangeArchivsperre ausbedungen. Die Hauptverantwortlichen werden schon ge-wußt haben, warum...

Etwas leichter zugänglich sollten hingegen die Sitzungsakten( ungleichschwerer allerdings die Personalakten) der damaligen PhilosophischenFakultät der Universität Wien sein. Deren Mitglieder( und vorher die einerdafür eingesetzten Kommission) hatten die 1959 erfolgte Berufung undErnennung von Richard Wolfram zum außerordentlichen Professor für,, Österreichische und vergleichende europäische Volkskunde beschlossen.Wolfram war bereits 1939-1945 als Extraordinarius an der Wiener Universi-tät tätig gewesen, damals allerdings ,, für deutsche und germanische Volks-kunde, und hatte erst 1954 seine Lehrbefugnis wiedererlangt. Daß mitdieser Entscheidung Leopold Schmidt zwar nicht direkt im Regen, so dochbrüskiert im Museum stehen gelassen wurde, ist unbestritten. Die Hinter-gründe dafür sind noch unbekannt: War's männerbündischer Zusam-menhalt auf der einen, fehlende politische Unterstützung auf der anderenSeite? Wir wissen es bislang nicht.

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Nicht wissen wir auch( was diesmal nicht mit unzugänglichen, sondernmit fehlenden schriftlichen Unterlagen zusammenhängt), warum man1945/1946 nicht alles- oder richtiger: eigentlich nichts getan hat, um