2006, Heft 3
,, Das was verschwindet"
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Friaulische vor rund 40 Jahren in Muggia noch im familiären Ge-brauch gehört zu haben, seither aber hatte sich dessen Verbreitungs-gebiet zunehmend verringert und mancher vernachlässigte seine Mut-tersprache. 27 Zur Bewahrung und Belebung des Friaulischen, das erganz selbstverständlich als eigenständige Sprache und nicht Dialektansah, 28 hatte Ludwig Salvator unter Mitwirkung der beiden FriulanerUgo Pellis29 und Dolfo Zorzut³° eine reiche Sammlung von ,, Zärtlich-keitsausdrücken und Koseworten" zwischen ,, Mutter und Kind" undunter ,, Liebhabern“ zusammengestellt. Die Ausdrücke sind nach se-mantischen Kriterien geordnet- wie z.B. im ersten Teil: ,, Das Kindvor der Geburt, Äussere Eigenschaften, Geistige und moralischeEigenschaften, Handlungen und Gebärden, Die ersten Worte" oder imzweiten Teil: ,, Grüße, Komplimente, Am Fenster, Im Stall, In derKirche, Anmut und Schönheit, Stolz und Sprödigkeit, Liebespfänder,Liebesbräuche, Natur und Liebe, Armut und Liebe“, – und werdenmit Ausnahme von 28 Wörtern aus der Kindersprache( ,, Pasch"- oder
fast ein Jahr in Görz auf, wo neben italienisch, deutsch und slowenisch auchfriulanisch gesprochen wurde. Vgl. Mader, Brigitta: ,, Mi creda sempre suo aff.A. Luigi Salvatore ecc." L'Arciduca Lodovico Salvatore e la sua presenza aTrieste, quale risulta dalla sua corrispondenza con Carlo de Marchesetti. In:Annales. Anali za istrske in mediteranske študije 14/'98, Koper 1998, S. 159 f.Vgl. Coronini- Cronberg, Franz: Volksleben in Görz und Gradisca. In: Die öster-reichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band X. Küstenland, Wien1891, S. 162 f.
27 Vgl. Ludwig Salvator: Zärtlichkeitsausdrücke( wie Anm. 25), S. 7.
28 Ludwig Salvator gibt eine dem damals neuesten Stand der Romanistik entspre-chende Einführung zur Stellung des Friulanischen innerhalb der romanischenSprachen, zitiert Ascoli und Gartner, erklärt die Termini„ ladino“ und„, rätoro-manisch“ und stellt sogar gewisse Ähnlichkeiten mit dem Katalinischen fest. Vgl.Ludwig Salvator: Zärtlichkeitsausdrücke( wie Anm. 25), S. 3–6 und S. 8.29 Ugo Pellis( 1882-1943) damals noch Gymnasialprofessor in Triest wurde spätervor allem als Initiator und Präsident der Società filologica friulana und Mitarbei-ter am Atlante linguistico italiano, der jedoch unveröffentlicht blieb, bekannt.Vgl. Goebl: Die Sprachatlanten( wie Anm. 19), S. 262 f. Ugo Pellis bediente sichauch der Photographie zur bildlichen Fixierung mundartlicher, regionaler Be-zeichnungen von Gegenständen des alltäglichen Gebrauches und hinterließ einreiches Photoarchiv. Vgl. Ellero, G., I. Zannier( Hg.): Voci e immagini. Ugo Pellislinguista e fotografo. Milano 1999.
30 Dolfo Zorzut( 1891-1960) aus Cormòns, damals noch Student, beschäftigte sichspäter als Lehrer eingehend mit dem Friaulischen und betrieb auch ethnogra-fische Studien( Märchensammlungen). Einige friulanische Ausdrücke steuerteauch die Görzer Schriftstellerin Marie Schmitzhausen( 1851-1929) bei, die unterdem Pseudonym Paul Maria Lacroma auftrat.