Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Das was verschwindet“ : der ethnografische Aspekt im Werk Erzherzog Ludwig Salvators
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Brigitta Mader

ÖZV LX/ 109

Inseln, Dalmatien, die Ionischen Inseln und den nordafrikanischenRaum, aber auch San Francisco und Tasmanien.²

Zu Lebzeiten hochgeschätzt, ³ ist Ludwig Salvator heute weitge-hend vergessen. Seine Werke haben jedoch keineswegs an Bedeutungverloren. Vielmehr stellen sie aufgrund ihrer multidisziplinären Aus-richtung für eine Reihe von natur- wie geisteswissenschaftlichenForschungsbereichen, darunter auch die Ethnografie, in vielerlei Hin-sicht immer noch eine wertvolle Quelle dar; ein Umstand, der in ersterLinie auf Ludwig Salvators spezielle Methode der Feldforschungzurückzuführen ist.

Nach dem Muster der in der Kameralistik üblichen Erhebung durchsystematische Befragung, hatte Ludwig Salvator bereits währendseines Universitätsstudiums in Prag die Tavolae Ludovicianae ent-wickelt: auf den Mittelmeerraum zugeschnittene, in drei Sprachen ab-gefasste Tabellen zur umfassend topographisch- kulturhistorischen Auf-nahme einer Region, die mit der Bitte um möglichst detaillierte Angabenan jeweils ortskundige Spezialisten und ansässige Gewährsmänner ingedruckter Form verteilt wurden.5

Als Feldforscher mit Leib und Seele beschränkte sich LudwigSalvator jedoch nicht allein auf die Auswertung der auf diese Weisegewonnenen Daten, sondern bezog auch Archivforschungen und bib-liographische Studien in die Vorbereitung seiner Werke ein. Vor allemjedoch bereiste und durchwanderte er die von ihm erwählten For-

2 Ludwig Salvator finanzierte seine Werke, die anonym und gewöhnlich in einerAuflage von 1000 Stück erschienen, selbst. Sie wurden an Universitätsinstitute,Lehranstalten, Bibliotheken, Museen, wissenschaftliche Gesellschaften, Gelehrte,Mitarbeiter sowie im interessierten Freundes- und Verwandtenkreis verschenkt.Einige Werke wurden später mit Ludwig Salvators Genehmigung vom LeipzigerVerleger, Leo Woerl, unter Nennung des Autors in Neuauflage herausgegeben.3 Ludwig Salvator war Ehrenmitglied einiger Akademien der Wissenschaften-darunter auch der kaiserlichen Akademie in Wien( 1889) und der BöhmischenAkademie in Prag( 1901) und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften inEuropa und Übersee. Auch seine Werke wurden mehrmals ausgezeichnet. Vgl.Liste der Ehren- und Mitgliedschaften sowie Auszeichnung in: Mader: ErzherzogLudwig Salvator. Ein Leben( wie Anm. 1), S. 18.

4 1865-1870: Studium der Rechte( J. Schier, A. Randa), der Philosophie( J. H.Löwe) und seiner ,, Lieblingswissenschaften", der Naturwissenschaften( Bota-nik- V. F. Kosteletzky, Zoologie- F. Stein, Mineralogie- V. Zepharovich undMathematik- W. Matzka). Vgl. Mader: Erzherzog Ludwig Salvator. Ein Leben( wie Anm. 1), S. 30.

5 Ludwig Salvator: Tavolae Ludovicianae. Prag 1869.