Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 293-315
,, Das was verschwindet"
Der ethnografische Aspekt im Werk Erzherzog Ludwig Salvators
Brigitta Mader
Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die Werke des öster-reichischen Erzherzogs, Naturwissenschaftlers und Forschungs-reisenden, Ludwig Salvator( 1847-1915), aufgrund ihres multi-disziplinären Charakters auch heute noch von Bedeutung undstellen vor allem in wissenschaftshistorischer Hinsicht eine rei-che Quelle dar. Dieser Aufsatz beleuchtet an Hand von Beispielenden ethnografischen Aspekt der Monographien und philologi-schen Arbeiten Ludwig Salvators und stellt ihn als Autor einesumfangreichen Trachtenwerks sowie Initiator musealer Samm-lungen vor. Als besonders bemerkenswert erweist sich LudwigSalvators Methode, ethnografische Beschreibungen mit volks-sprachlichen Termini und bildlichen Darstellungen zu kombinie-ren, die er parallel zu Hugo Schuchards und Rudolf MeringersForschungsprinzip ,, Wörter und Sachen“ entwickelte.
Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator( 1847–1915) wurdenicht als Mitglied des Kaiserhauses oder durch besondere militärischeVerdienste berühmt. Er trat als Naturwissenschaftler, Forschungs-reisender und Autor hervor und erlangte aufgrund seiner geradezuenzyklopädischen Werke über den Mittelmeerraum internationaleAnerkennung. Als Sohn des letzten regierenden Großherzogs in Tos-kana, Leopold II., war er unter dem späten Einfluss der Aufklärungaufgewachsen. Wissensvermittlung und Bewahrung ererbten Kultur-gutes waren die Hauptmotive seines Schaffens.¹ Stets war er bestrebt,durch umfassende Darstellungen die Aufmerksamkeit auf bisher we-nig beachtete oder überhaupt unbekannte mediterrane Inseln undKüstenstriche zu lenken. So entstanden im Laufe von 45 Jahren rund50 zum Teil mehrbändige Werke über die Balearen, die Liparischen
1 Vgl. Mader, Brigitta: Erzherzog Ludwig Salvator. Ein Leben für die Wissen-schaft. 1847-1915(= Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, ÖsterreichischesStaatsarchiv Wien 2002/03). Wien 2002, S. 19–25.