Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Grenzgänge“ : Eugenie Goldstern: Die Hausformen des Aostatales : Nachgelassene handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Jahre 1922
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2006. Heft 3

Goldstern: Die Hausformen des Aostatales

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Der geschilderte Heubehälter bildet eine beliebte Sitzgelegenheit für die Hausge-nossen; dem Fremden wäre diese allerdings weniger zu empfehlen, denn sobald diegewohnte Zeit der Fütterung naht, pflegen die Schafe und Ziegen ihren Hunger durchso kräftige Stöße in den Deckel des Heubehälters zu bekunden, dass derjenige, dergerade darauf sitzt, wohl etwas unangenehm überrascht werden könnte.26

[ 21] Außer den angesprochenen Kastenbetten findet man in Cogne noch ab und zuein eigenartiges Bettgestell ,,. zareta" genannt. Dieses besteht aus einer ca. 2 m langen, 1 mbreiten und 30 cm hohen truhenförmigen Kiste, die mit einem abhebbaren Deckelversehen ist und auf vier etwa 1 m hohen Beinen ruht( Fig. 4). Die ,, zareta, die mit Strohgefüllt ist, dient in der Nacht als Lager für 2 erwachsene Personen, bezw. 3 Kinder; tagsüberjedoch, sobald der Deckel wieder darauf ist, sieht sie wie ein altertümlicher truhenförmigerTisch aus, dessen man sich sowohl zum Speisen, wie auch zum Arbeiten bedient. Nurwenige Strohhalme, die unter der nicht dicht abschließenden Tischplatte herausragen.verraten die anderwertige Verwendung[ 22] dieses Möbelstückes.

4 Yashilenstillate

Fig. 4. Das Bettgestell,.zareta in Form eines Truhentisches.Gimillian, Cogne

Die fortschrittlicheren Elemente unter den Cognern pflegen über die,.zareta, speziellüber ihren so verschiedenartigen Gebrauch etwas zu spotten und knüpfen daran einedrollige Geschichte, die sie als ,, wahre Begebenheit erzählen:

Eines Abends kehrten einige Reisende in eine kleine Cogner Wirtschaft ein, umWein zu trinken. Als sie, durch den Alkohol angeregt, immer lustiger wurden undschließlich auf die Tischplatte losschlugen, vernahmen sie plötzlich merkwürdigeLaute aus dem Tischinneren: es war, als ob jemand darin leise weinen möchte.Erstaunt frugen sie den Wirt, was dies zu bedeuten habe und ob nicht etwa Geisterin seinem Hause spuken. Dieser erwiderte in aller Ruhe, die Gäste brauchten sich26 Diese Erfahrung machte ich schon seinerzeit in Bessans( Maurienne, Savoyen),wo die gleiche Gewohnheit besteht. Überhaupt ist die Einrichtung der Stallwoh-nung in Cogne derjenigen von Bessans sehr ähnlich. Bei Schilderung des Haus-rates von Bessans wurde auch das Kastenbett und dessen Verbreitung ausführlichbesprochen. Vgl. Goldstern, Eugenie: Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden.14. Ergänzungsheft der Wiener Ztschr. f. Volkskunde. Wien 1922, S. 15 u. 19.