Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 245-292
,, Grenzgänge"
Eugenie Goldstern: Die Hausformen des AostatalesNachgelassene handschriftliche Aufzeichnungenaus dem Jahre 1922
Für die Veröffentlichung bearbeitet von
Klaus Beitl¹
Aus dem handschriftlichen Nachlass von Eugenie Goldstern( 1894-1942) im Archiv des Österreichischen Museums fürVolkskunde in Wien gelangt als letzte unveröffentlichte Studieihre Feldforschung über die traditionelle bergbäuerliche Ar-chitektur in den Hochtälern des Aostatales zur Drucklegung.Im Sinne der von ihrem akademischen Lehrer Michael Haber-landt( 1860-1940) postulierten vergleichenden europäischenVolkskunde hatte die Ethnographin Eugenie Goldstern imZuge ihrer grenzüberschreitenden Sammlungen und For-schungen zur alpinen Volkskultur sich diesem in ihrem Schaf-fen letzten Forschungsfeld zugewandt. Ihre im Jahre 1922 imTerrain durchgeführte Bestandsaufnahme der herkömmlichenWohn- und Wirtschaftsbauten ist als eine der frühesten haus-kundlichen Erhebungen in dieser Region zu betrachten.
I. Einleitung
Vorbemerkungen
Eugenie Goldstern( 1884–1942) gehört als österreichische Ethnogra-phin der frühen Schülergeneration von Michael Haberlandt( 1860-1940) an. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit fällt in die Zeit des zweitenund dritten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts. Die mehrfach grenz-überschreitenden Feldforschungen und Sammlungen von Museums-gut in alpinen Gegenden Österreichs( salzburgisches Lammertal), der
1 Für hilfreiche Hinweise zur Terminologie und zu inhaltlichen Unschärfen desManuskripts ist Frau Claudine Remacle herzlich zu danken.