2006, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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jüngeren Generation fern erscheint. Gerade auch deshalb verweist sie vonden ausgewählten Beispielen immer wieder in die Gegenwart und fragtexplizit nach Parallelitäten und Kongruenzen. Der rechtliche Kampf um dieGleichberechtigung, das wird beim Lesen dieses Buches klar, ist seit nichtlanger Zeit gewonnen. Gelebte Emanzipation ist immer noch das ständigeAushandeln von Kompromissen im Alltag.
Diese Arbeit liefert somit wichtige Ansätze und Denkanstösse zu aktuel-len Debatten. Familie wird in Zukunft- so Annegret Brauns These- nurfunktionieren, wenn Männer und Frauen gleichberechtigt sich Aufgabenbe-reiche teilen können. Wie den damaligen Frauenfunk- Mitarbeiterinnen gehtes der Autorin nicht darum, Emanzipation als normativen Wert einzufordern,sondern darum, Frauen das Recht zu zugestehen, ihre eigenen Vorstellungenvon selbstbestimmtem Leben zu verwirklichen. Ein wichtiges Ergebnisdieser Forschung stellt die Erkenntnis dar, dass diese Forderung bereits inder Nachkriegszeit bestand, öffentlich diskutiert wurde und auch Versucheunternommen wurden, diese verschiedenen Lebens- und Arbeitsmodelleumzusetzen. Ob Frauen sich bewusst der Rolle von Mutter und Hausfrauwidmen, Beruf und Familie verbinden oder aber kinderlos bleiben wollen,darf kein gesellschaftliches Paradigma darstellen, sondern ist Entscheidungjeder Einzelnen. Gesellschaft und Politik sollten lediglich die Vorrausset-zungen dafür bieten, diese unterschiedlichen Lebensentwürfe im Alltagleben zu können.
Annegret Brauns Studie zeigt somit nicht nur einen beispielhaften Ansatzzur Alltagsgeschichtsschreibung von Frauen in der Nachkriegszeit auf,sondern gibt auch wichtige Argumente gegen die aktuellen Versuche, Frauenauf traditionelle Rollen als Hüterinnen der Familie und Gebärerinnen vonKindern für eine augenscheinlich aussterbende Nation zu reduzieren.
Daniella Seidl
HAID, Oliver: Untermaiser Schützengeschichte. Zwei Jahrhunderte Kul-turpflege zwischen Dorfgemeinschaft und Vorstadt. Mit einem Nachdruckder Broschüre ,, Der Tiroler Held Blasius Trogmann“ von Anton Kofler( 1908). Schützenkompanie Blasius Trogmann, Meran 2003, 118 Seiten, 32Abb.
Das Schützenwesen besitzt in Tirol einen hohen politischen und kulturellenStellenwert. Besonders in Südtirol, wo die Schützenkompanien nach derEingliederung nach Italien verboten waren und erst 1959 als Formationaber noch ohne Gewehre wieder erlaubt wurden, spielen sie für die
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