Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 205–211
Chronik der Volkskunde
,, No Guarantees". Innovative kulturwissenschaftlicheForschung unter unsicheren Bedingungen
27.- 29. April 2006, IFK Internationales ForschungszentrumKulturwissenschaften, Wien
Bei der von Birgit Wagner und Mitchell Ash in Kooperation mit dem IFKveranstalteten Tagung sollte überlegt und diskutiert werden, was in derRealität dicht verwoben ist, aber auf der Ebene der Reflexion nicht unbe-dingt in Zusammenhang gebracht wird: Inhalt und Form. Es ging darum, diemomentane Verfasstheit der Kulturwissenschaften zu beleuchten von ih-ren Strukturen( ,, unsichere Bedingungen“) und von ihrer inhaltlichen Aus-richtung( ,, innovativ") her.
Die Bedingungen also sind unsicher, und kulturwissenschaftliche For-schung ist innovativ oder soll es wenigstens sein, Garantien gibt es keine-der Titel legte eine bestimmte Deutung der Lage nahe. Diesen ein wenigaffirmativen Charakter unterstrich Mitchell Ash, der in seiner Einleitungmithilfe historischer Beispiele Möglichkeiten innovativer Forschung in sichrasant verändernden institutionellen Strukturen auslotete. In Wien ent-wickelte sich um die Jahrhundertwende die Sozialwissenschaft außerhalbder Universität, ebenso wie sich Volkswirtschaftler abseits der Uni zurWiener Schule zusammenfanden oder Philosophen zum noch berühmterenWiener Kreis. ,, Immer schon“, so der Wissenschaftshistoriker, habe es hierVerbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft( Anwendung) gege-ben. Schon deshalb wäre sehr interessant, zu solch einer Veranstaltungeinmal nicht nur die, Cultural Studies- Familie' einzuladen, sondern auchVertreterInnen aus, der Wirtschaft', potentielle SponsorInnen etc. zu betei-ligen. Die Romanistin Birgit Wagner erläuterte einleitend den Bezug von,, No Guarantees" zu Stuart Hall, einem der Vertreter der Cultural StudiesBirminghamer Tradition, und stellte das Konzept der Tagung mitsamt denangepeilten Zielen vor.
Unklar blieb, warum man zum Thema kulturwissenschaftlich Arbeitenunter schwierigen Bedingungen fünf Professoren sowie zwei institutionali-sierte Wissenschaftlerinnen zum Referat lud- und nur einen einzigen Frei-berufler. Weil die VeranstalterInnen lieber mit Ihresgleichen sprechen unddiskutieren? Die InitiatorInnen zeigten immerhin ernsthaftes Interesse ander Situation über die Institutionen hinaus: Zum Abschluss ließ man in