Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 175-204
Mitteilung
Volkskunde in Innsbruck: ein Fall für die Historiker?
Ingo Schneider und Reinhard Bodner
Im Sommer 2005, nachdem das Rektorat der Leopold- Franzens- Universitätden Entwurf eines, Entwicklungsplanes 2005-2010' vorgestellt hatte, fandsich in einer Tiroler Tageszeitung, unter der Überschrift ,, Volkskunde amEnde?", die Notiz: ,, Das Volkskunde- Studium an der Innsbrucker Uni könn-te ein Fall für die Historiker sein." ¹- Inzwischen, knapp ein Jahr später,hoffen wir, dass diese Botschaft sich insofern nicht zur Gänze bewahrheitenmuss, als sie zum Teil verwirklicht werden kann: Mit Wirkung vom 1. Jänner2006 sind die ehemaligen Institute für Geschichte und Europäische Ethno-logie/ Volkskunde zu einer gemeinsamen Organisationseinheit zusammen-gefasst worden; außerdem wird an der Philosophisch- Historischen Fakultät²derzeit an einer Neukonzeption der Studienpläne beider Fächer gearbeitet.-Der folgende Bericht soll den Gang der Entwicklungen, die zu dieserSituation geführt haben, und den Stand der Dinge, soweit er für die Zukunftder Europäischen Ethnologie/ Volkskunde in Innsbruck von Belang ist, kurzzusammenfassen. Dabei sind wir uns der Schwierigkeit bewusst, nicht mehrals eine Darstellung aus eigener Sicht anbieten zu können; eine Stoffsamm-lung, an die erst noch die kritische Frage heranzutragen wäre, was an ihrwissenswert und für sie wissbar ist.³
Eben deshalb soll zunächst ein längst fälliger Dank nachgeholt werden:Er geht an all jene im Fach- ob Einzelne oder Institutionen-, die sich inden vergangenen Monaten mit solidarischen Erkundigungen und gut durch-dachten Argumenten in die Diskussion um die Entwicklungsplanung unsererUniversität eingeschaltet haben. Wir haben dabei viel und wertvolle Unter-stützung erfahren. Umso tiefer die in der Tradition der Volkskunde stehen-den Disziplinen aber in eine„ Debatte der Bestandssicherung und der
1 Die Neue. Zeitung für Tirol, Nr. 203- N, 26.08.2005.
2 Sie ging im Herbst 2004
gemeinsam mit einer Philologisch- Kulturwissen-schaftlichen und einer Bildungswissenschaftlichen Fakultät- aus der ehemali-gen Geisteswissenschaftlichen Fakultät hervor.
3 Vgl. Scharfe, Martin: Menschenwerk. Erkundungen über Kultur. Köln, Weimar,Wien 2002, S. 146 f.