Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde109 (2006) / N.S. 60Danglová, Ol'ga: Eine ethnologische Betrachtung des Wertestudiums

  
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Eine ethnologische Betrachtung des Wertestudiums : Werte der vormodernen Welt des slowakischen Dorfes
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Ol'ga Danglová

ÖZV LX/ 109

sondern um eine stärker individualisierte, personalisierte Welt, diedie Möglichkeit der Auswahl aus einer breiteren Skala von Möglich-keiten anbietet, eine Welt mit gelockerten, schwerer greifbaren Wert-bindungen.

In die ethnologische Forschung treten nach 1989 Fragen der indi-viduellen Werte sowie Gruppenwerte in die Untersuchungen zuTransformationsprozess, Privatisierung, Entkollektivierung, unter-nehmerischen Aktivitäten und verschiedenen Überlebensstrategien inihrem Rahmen. Wiederum sind es in erster Linie existenzielle, mate-rielle Werte, die vordergründig als am leichtesten greifbar auftreten.Die Menschen schätzen die Möglichkeit einer bezahlten Arbeit, un-ternehmerisch tätig zu sein, in Verbindung damit tauchen auch Wer-tungen auf, die der Landgemeinde, der die Marktmentalität fern lag,noch bis vor kurzem fremd waren. Zum Beispiel die positive Bewer-tung Einzelner als klug, gebildet, flexibel. Von den materiellen Wer-ten steht ständig auf einer der oberen Sprossen der Werteleiter derBesitz eines Hauses, attraktiverer Grundstücke, hinter denen dieBedeutung des Eigentums an landwirtschaftlichem Boden weit zu-rück liegt. Im Hintergrund des ethnologischen Interesses bleibt aberimmer noch die Untersuchung von ,, höheren Werten, die die Struk-tur der Welt des Alltäglichen bestimmen. Gehören in dem heutigen,stark korrupten kommunalen Milieu zu den anerkannten Werten nochSparsamkeit, Gewissenhaftigkeit in der Arbeit, Opferbereitschaft,Unbestechlichkeit, Genauigkeit, Autorität, Anstand oder sind dasschon Archivalien, die an Gewicht verlieren?

Auf solche Fragen müsste die ethnologische Forschung eine Ant-wort suchen auch deshalb, weil die Slowakei sich heute in der Über-gangsphase zwischen der vormodernen, der modernen und der globa-lisierten Welt befindet, also in der Phase des halben Weges( ichparaphrasiere die treffende bildliche Formulierung von Andrej Bánoin dem Begleitwort zur Ausstellung des tschechischen FotografenTomka Nemec ,, Die Slowakei, gezeigt in Bratislava 2004) ,,, wo sichverschlafene ländliche Lebensinseln mit der hypermodernen Ära derSupermärkte und Massenreklame abwechseln, wo wir auf Wallfahr-ten schon nicht mehr Gott ergebene Wallfahrer in schwarzer Kleidungantreffen, sondern Kinder in Reklameshirts, mit Reklameplastikbeu-teln, die heilige Bildchen auf Kühlerhauben verkaufen.