2006, Heft 2
Eine ethnologische Betrachtung des Wertestudiums
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die Zeit erprobt und zuverlässig stabil ist. Kulturelle Inhalte undInstitutionen hatten starke Autorität und Gewicht. Es ist anzunehmen,dass die bestehenden, in das Handeln übertragenen Werte ohne tiefereintellektuelle Reflexion akzeptiert wurden, vielmehr auf einer passi-ven Rezeption und starken emotionalen Bindungen beruhten."
Der spontane Charakter der Zwischengenerations- Transmission
In den traditionellen Bauern- Hirtenfamilien wurden Wissen, Könnenund Werte vor allem in dem natürlichen, spontanen Prozess derZwischengenerations- Transmission durch die Weitergabe der Bil-dung und Erfahrungen an die nächste Generation übernommen undangeeignet. Die Übernahme bestimmter Produkte, Arbeitsweisenoder technologischer Verfahren( Häuserbau, Anfertigung von Klei-dung, Anbau landwirtschaftlicher Produkte, Viehhaltung) aber auchdie Nachahmung des Verhaltens( in der Kommunikation mit anderen,in der Kindererziehung u.a.) sowie die Aneignung der Weltanschau-ung hatte überwiegend einen natürlichen spontanen, auf Kontaktenund Imitation begründeten Charakter. Bildung und Werte wurden eherin einer nichtinstitutionellen Form weitergegeben und übernommen.durch Arbeit und orale Transmission mit Worten und Symbolen. Dieinstitutionelle Bildungsform mittels Schulunterricht hatte zwar auchihr Gewicht, aber die autoritäre Struktur der Bauern- Hirtenfamiliebevorzugte eindeutig die nichtinstitutionelle Form.12 Wenn auch dieKinder von Čičmany die Grundschule besuchten, geschah dies eherunregelmäßig. Vorrang vor der Schule hatte die Arbeit um Haus undWirtschaft. Mädchen von Čičmany wurden schon im zarten Alter inalle Arbeiten eingebunden von der Flachsaussaat bis hin zur An-fertigung und Verzierung der Kleidung. Der produktiven Rolle der
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11 Zu diesen Erkenntnissen gelangte auch Kazimierz Dobrowolski bei der Analysedes Materials aus Feldforschungen zur bäuerlichen Kultur im südlichen Klein-polen, die in der Zwischen- und Nachkriegszeit durchgeführt wurden( Dobro-wolski 1971, S. 287).
12 Der Transmission ethnokultureller Traditionen widmete sich genauer AdamPranda beim Sammeln empirischer Daten aus Kysuce( Pranda 1978, S. 246;Pranda 1976, S. 555-557). Die orale und kulturelle Transmission sowie spezifi-sche Instrumente der sozialen Transmission der bäuerlichen Sozietät verfolgteauch Kazimierz Dobrowolski bei seinen Feldforschungen in Kleinpolen( Dobro-wolski 1971, S. 280–284).