2006, Heft 2
Eine ethnologische Betrachtung des Wertestudiums
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Čičmany dauerte es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, dass sievon allen Einwohnern, ausgenommen den Hausierern, getragen wur-de, dann blieben nur noch die Frauen dem Tragen traditionellerKleidung treu und in den 70- er Jahren nur noch die älteste Frauenge-neration), folgte der Einzelne den kollektiven Bekleidungsregeln undordnete sich prinzipiell dem Ganzen unter. Das spezifische Aussehender Kleidung drückte die Zugehörigkeit zur Lokalität, zur Region aus.Die Kleidung war ein Merkmal des Ortes, der Herkunft des Einzel-nen. Das Aussehen der Kleidung des Einzelnen unterlag de facto derAutorität der Vorfahren, es stützte sich auf den gemeinsamen Kon-sens, der von Generation zu Generation weitergereicht wurde und imLaufe des Lebens einer Generation fast keine Änderung erfuhrjunge Frauen trugen manche Kleidungsstücke, die sie in die Aussteuermitbekommen hatten, bis zu ihrem Tod. Der Konservativismus desGeschmacks unterdrückte Versuche, Individualität und persönlicheEinzigartigkeit äußerlich zum Ausdruck zu bringen. Modetrends derAußenwelt wurden allenfalls in bestimmten Andeutungen reflektiert.( Vergleicht man Darstellungen von Frauen aus Čičmany vom Beginndes 20. Jahrhunderts mit Fotos aus den 40- er Jahren, werden Unter-schiede deutlich, die mit dem Modetrend der Rockverkürzung über-einstimmen.)
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Trotz der deutlichen Uniformitätstendenzen und dem starken Sinnfür die Werte des sozialen Zusammenhalts und der Zusammengehö-rigkeit war die Dorfgemeinde in Čičmany nicht gleichmacherisch.Auch wenn die sozialen und wirtschaftlichen Kontraste in Čičmanynicht so wesentlich waren, gab es dennoch Unterschiede in der Größedes Besitzes, des Viehbestands, im Besitz von Land, Arbeitsgerätbzw. im Wohnen, die die Position der einzelnen Familien hinsichtlichihres Status differenzierten. Die gesellschaftliche Stellung war zumBeispiel dadurch bestimmt, ob eine Familie oder ein Einzelner voneinem sog. ,, hošták“( Kate) oder einem ,, grunt"( Erbhof) stammte-die Erbhofbesitzer hatten vorteilhaftere, nahe beim Dorf gelegeneFelder, während die sog.„, hoštáci“( Kätner) abgelegeneres Land inden Bergen bewirtschafteten( Kantár 1992, S. 100). Aber auch unterden ,, gruntovníci“( Erbhofbauern) gab es Unterschiede, denn die
8 Der lokale Kleidungstyp, wie man ihn in Čičmany trug, war mit bestimmtenAbweichungen übereinstimmend mit der in den Nachbardörfern Zliechov,Košecké Rovné, Valašská Belá, Dolná Poruba getragenen Kleidung.