2006, Heft 2
Eine ethnologische Betrachtung des Wertestudiums
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Teil der Einwohner war an das Territorium der eigenen Gemeinde undihrer nahen Umgebung gefesselt und lebte kontinuierlich von Gene-ration zu Generation am selben Ort. Der ,, Ort" als Rahmen dersozialen Tätigkeit in ihrer geographischen Situierung war nicht vomRaum getrennt- die räumlichen Dimensionen des sozialen Lebenswaren für die Mehrheit der Dorfbewohner in den meisten Hinsichtendurch Anwesenheit und örtliche Aktivitäten bestimmt( Giddens 2003,S. 24-25). Daraus ergab sich das Bewusstsein der lokalen Zugehörig-keit, gebunden auch an den spezifischen konsistenten Wertkomplex.
Dieser Zug der Vormodernität hatte Ende des 19. Jahrhunderts undin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Slowakei in ver-schiedenen ländlichen Gemeinden einen spezifischen Charakter, mo-difiziert durch einen differenzierten sozioökonomischen Kontext. ImFall Čičmany prägte er nicht vorbehaltlos alle Einwohner des Ortes.Die Untrennbarkeit des territorialen und des sozialen Raumes bezogsich vor allem auf die Menschen, die sich ausschließlich von Acker-bau, Rinder- und Schafzucht ernährten, und davon gab es in Čičmanyimmer weniger. Čičmany war schon zu Beginn des 20. Jahrhundertsstark durch die Proletarisierung geprägt. Die begrenzten Ressourcen,die die wenig ertragreiche Landwirtschaft in dem kargen Berggebiethervorbrachte, die ständige Stückelung des Bodens durch Beerbungwaren die Ursache für die fortschreitende Abnahme der bäuerlichenBevölkerung. Laut einer Statistik von 1910 bildete die bäuerlicheBevölkerung nur ein Drittel( 451) der Gesamteinwohner( 1437), starkvertreten waren Landarbeiter( 336) und erheblich war die Zahl imWandergewerbe der Handwerker( 105). Dieser Trend, den auch dienichtverwirklichte Bodenreform des hiesigen Großgrundbesitzes undder Wälder im Eigentum des Grafen Berchtold stärkte, setzte sichauch nach 1918 fort. Laut einer Statistik von 1932 war nur noch einunbedeutender Teil ,, rein bäuerlich"-15% der Einwohner vonČičmany – und etwa zur selben Zeit stieg die Zahl der landwirtschaft-lichen Saisonarbeiter auf 50% an. Die fahrenden Glaser von Čičmany,Hausierer mit Hausschuhen und Galanteriewaren zogen vor 1918 fortnach Österreich, in das Banat, nach Batschka und Dalmatien. Nach1918 engte sich der Verkaufskreis auf die böhmischen Länder ein,Zielgebiet der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter war Ende des19. Jahrhunderts außer der Slowakei und Ungarn auch Österreich( Baranovič 1992, S. 24; Kekelyová 1992, S. 55; Markov 1964,S. 152-153). Diese Menschen waren mit der Außenwelt, mit anderen