Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 121-143
Aus der Perspektive Norbert Elias': Stabilität undVeränderungen der Wertesysteme in der Epoche desspäten Sozialismus
Adam Pranda und das Studium der Wertein der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts¹
Juraj Podoba
Das Studium von Wertesystemen in den ländlichen Regionender Slowakei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts istmit der wissenschaftlichen Arbeit von Adam Pranda ver-bunden. Seine Wertestudien basieren auf der Vorstellung einerlinearen Entwicklung von Gesellschaft und Kultur. Der Bei-trag bietet eine alternative Perspektive an und interpretiertStabilität und/ oder Veränderungen während der spätkommu-nistischen Phase auf der Basis von Norbert Elias' Zivilisa-tionstheorie.
Mit politischen Umwälzungen, die im 20. Jahrhundert mit einerRegelmäßigkeit von ungefähr zwanzig Jahren die Beschaffenheit derin der Slowakei herrschenden Regierungsformen ändern, gehen in derRegel Hinweise auf die Einzigartigkeit der Epoche, in der wir geradeleben, einher. Gewissheiten, ob wirklich oder scheinbar, erstrebens-wert oder verhasst, jene, die die Zeit gerade hervorhebt oder verkennt,lösen sich oftmals auf oder verlieren wenigstens ihre Verlässlichkeit.Diese Umwälzungen brachten grundlegende Veränderungen mitsich die Einzigartigkeit des 20. Jahrhunderts liegt im Vergleich mitden früheren Jahrhunderten darin, dass mit jeder bedeutenden politi-schen Veränderung auch ein wesentlicher sozioökonomischer undsoziokultureller Wandel einherging. Die ideologische Bedingtheit derwechselnden Regierungssysteme führte zu einer ideologischen
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1 Dieser Aufsatz entstand im Rahmen des Forschungsprojektes des Exzellenz-zentrums der Slowakischen Akademie der Wissenschaften ,, Kollektive Identi-täten in den modernen Gesellschaften".