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Literatur der Volkskunde
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gefördert hat. Der Boom seit 1890( in Tirol) beruht zweifellos auch auf denPrädispositionen, die der jahrhundertealte Brauch der Sommerfrische wach-gerufen hat."( Sommerfrischwesen in Südtirol. In: Nössing, Josef( Hg): DieAlpen als Heilungs- und Erholungsraum. Bozen 1994, S. 79–90). So kanndie Entwicklung des Bäderwesen und der Sommerfrische in Tirol grundsätz-lich als Spiegelbild der Gesellschaft gelesen werden.
Resümierend liegen die Vorzüge dieser Untersuchung von AnnegretWaldner im Gelingen, ein unbedeutend scheinendes regionales Phänomenso detailreich und komplex darzustellen, dass seine Bedeutung den Horizontlokaler Tourismusgeschichte übersteigt und den Blick auf ein kulturge-schichtliches Panorama freigibt.
Paul Rösch
RAUSCHER, Peter: Langenlois- 13. Eine jüdische Landgemeinde inNiederösterreich im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges.(= Schriftenrei-he des Waldviertler Heimatbundes, Bd. 449). Waidhofen/ Thaya, Waldviert-ler Heimatbund, 2004, 184 Seiten, 10 s/ wAbb.
Im Rahmen des 1998 initiierten Forschungsprojektes ,, Germania JudaicaIV Austria Judaica" hat sich der Historiker Peter Rauscher mit der Ge-schichte der jüdischen Gemeinde in Langenlois beschäftigt. Das vorlie-gende Buch ist auf das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges fokussiert. DieGeschichte der jüdischen Gemeinde ist kurz, sie dauert von 1623 bis 1670.Davor lebten nur wenige Juden in der Gegend, danach wurden sie vertrieben.Die Gemeindegründer waren prominente, sehr wohlhabende Wiener. Diejüdische Gemeinde von Langenlois gehörte zu den reichsten GemeindenNiederösterreichs, das das einzige der österreichischen Erbländer der Habs-burger war, in dem nach den Pogromen des 14. und 15. Jahrhunderts imLaufe des 16. und 17. Jahrhunderts überhaupt Juden legal leben konnten.Bereits 1670/71 jedoch wurden die Juden Niederösterreichs erneut desLandes verwiesen.
1623 liessen sich in Langenlois acht jüdische Familien nieder. Mit einemPrivileg Kaiser Ferdinands II. erhielten sie die Erlaubnis eine Synagogeeinzurichten, einen Vorsänger und einen eigenen Fleischhauer anzustellen,also eine funktionierende Gemeinde zu gründen. Das Recht sollte ihnen solange gewährt bleiben, wie der Kaiser Juden in Österreich dulden würde.
Rauscher beschreibt zunächst die Ansiedlung der Familien und die Ge-schichte der jüdischen Landgemeinden in der Vormoderne. Er geht von derRezeption des 20. Jahrhunderts aus und merkt an, dass noch 1955 der