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Literatur der Volkskunde
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nachlässigen, die„, Poetik des gesellschaftlichen Seins“, die im Methoden-spektrum heutiger Kulturforschung kaum Beachtung und Anwendung fin-det. Es folgen noch eine Zusammenfassung( S. 143 ff.) sowie ein Plädoyerfür die Volkskunde( S. 147 ff.), das auf die spezifisch griechische Situationeingeht. Fast mehr als die Worte sprechen die ausgezeichneten Bilder diesesBandes, die die Ästhetik und Poetik der Alltagskultur in ihrer Widersprüch-lichkeit veranschaulichen und mit einfühlsamen Bildtexten erklärt werden:ein fliegender Billig- Markt von aus dem ehemaligen Ostblock Zugewander-ten in Athen, eine Streikversammlung auf der Straße, eine Bushaltestelle mitwartenden Passagieren, ein Rußkreuz vor der Haustür, eine unterirdischeFußgängerpassage mit Graffiti, alte Geschäftstafeln vor Hochhäusern, einmit Blumen und Kerzen geschmückter Epitaph- Baldachin, neoklassizisti-sche Bauten neben Glas- Stahl- Konstruktionen usw.: ein interessanter Bei-trag zu einer aktuellen Diskussion, die in Griechenland mit ungewöhnlicherSchärfe geführt wird.
Walter Puchner
Елtavησιαкá Þúλa[ Heptanesische Blätter], Bd. XXIV. Zante 2004,336 Seiten, zahlr. Abb.
Das bis 1990 von dem zantischen Gelehrten und Lokalhistoriker Dinos
Konomos und seither von Dionysis Serras herausgegebene philologische,historische und volkskundliche Periodikum über die Jonischen Inseln undspeziell die Insel ,, fior di Levante“, Zante, gibt einen Widmungsband fürden österreichischen Erzherzog Ludwig Salvator( 1847-1915) heraus, an-läßlich des hundertjährigen Jubiläums seiner vielleicht wichtigsten undumfangreichsten Publikation. Es handelte sich dabei um eine zweibändige,mehr als tausend Seiten umfassende und mit unzähligen Photographien,Gravuren und Skizzen versehene Publikation mit dem einfachen Titel ,, Zan-te", erschienen in Prag 1904. Dieses monumentale Werk ist lange Zeit inVergessenheit geraten, wird gegenwärtig in Griechenland neu entdeckt,harrt aber immer noch einer adäquaten Übersetzung ins Griechische. DerWidmungsband beginnt mit dem Titelblatt der historischen Publikation undeiner biographischen Zeittafel von A. Sarantis( S. 11 ff.). Den Hauptartikelhat der Herausgeber, D. Serras, selbst beigesteuert: ,, Ludwig Salvator undsein Zante- Buch damals und heute“( S. 29-70), worin detailliert auf denInhalt der monumentalen Ausgabe eingegangen wird. Es gilt bereits ein-gangs festzuhalten, dass der Widmungsband reich ist an historischen Pho-tographien der Jahrhundertwende, Gravuren und Skizzen, die aus Salvators