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Literatur der Volkskunde
ÖZV LX/ 109
KILIANOVÁ, Gabriela, Konrad KÖSTLIN, Herbert NITKITSCH, Ra-stislava STOLIČNÁ( Hg.): Ethnology in Slovakia at the Beginning of the21st Century. Reflections and Trends.(= Etnologické Študie, 9; Veröffent-lichungen des Instituts für Europäische Ethnologie Wien, 27). Bratislava-Wien, 2005, 4 graph. s/ w. Abb.
Im November 2001 fand aus Anlass des 55- jährigen Bestehens des Ethno-logischen Instituts der Slowakischen Akademie der Wissenschaften dieKonferenz zum Thema ,, Ethnology in Slovakia on the Threshold of the 21stCentury: Reflections and Trends" statt. Vier Jahre später sind nun diegesammelten Ergebnisse der Tagung erschienen, die eine Vielfalt an Themenund Zugängen präsentieren, welche nicht nur für jene interessante Aspektebeinhalten, die speziell an slowakischen Verhältnissen interessiert sind.Prozesse und Probleme innerhalb einer wissenschaftlichen Disziplin, derenZuständigkeit im weitesten Sinn im Bereich ,, Gesellschaft" liegt, währenddie untersuchte Gesellschaft einen massiven Transformationsprozess durch-läuft( ,, vor unseren Augen“), können Aufschluss zu allgemeineren Frage-stellungen, wie etwa zu Wandel und Kontinuität, geben. Der hohe Grad anReflexivität, der die meisten der Beiträge auszeichnet, eröffnet ein viel-schichtiges Bild der Bedingungen und Möglichkeiten wissenschaftlichenArbeitens, nicht nur in Hinblick auf die Umbrüche und Aufbrüche der letztenJahre, sondern darüber hinaus, indem mögliche Effekte eines totalitärenRegimes auf Sozial- und Gesellschaftswissenschaften verdeutlicht werden.Der einleitende Artikel Gabriela Kilianovás skizziert die Situation derethnologischen Forschung nach der politischen Wende und bietet, ausge-hend von Milan Leščáks Bericht zum Stand der Ethnologie in der Slowakei1989, einen Überblick zu verschiedenen thematischen Schwerpunktset-zungen, wie ethnische Minderheiten( was in Arne B. Manns Beitrag zumStand der Roma Forschung in der Slowakei vertieft wird), Nationalismusoder nationaler Identität, die während der neunziger Jahre eine Konjunkturerlebten, nicht zuletzt weil sie die sogenannten„, weißen Flecken“ derethnologischen Forschung vor der Wende darstellten. Auch die Neuorientie-rung der FolkoristInnen, deren Verbindung zur Ethnologie sehr eng war( undist) und auf die Eva Krekovičová in ihrem Artikel zu Konstruktionen von,, Eigen“ und„, Fremd“ sehr kritisch eingeht, wird thematisiert. Kilianovásetzt die beginnende kritische Auseinandersetzung mit Fragen der Methodeim Feld erst später an und erachtet den Zeitraum von zehn und mehr Jahrenfür die Überwindung der ersten- durch soziale und politische Umbrüchebedingten emotional- inhaltlichen Diskussionen, für notwendig.
Der anschließende Text Peter Niedermüllers führt die Thematik auf eineMetaebene und zeigt Möglichkeiten, wie sich die Europäische Ethnologie