Jahrgang 
109 (2006) / N.S. 60
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LX/ 109

Phänomens aufklärerischer Geistlicher( ein Widerspruch der einprägsam imBild des Gipfelkreuzes mit Blitzableiter zusammengefasst wird): Hier wirdein Portrait des slowenischen Priesters Valentin Stanig gezeichnet. Im Be-richt über die Watzmann- Besteigung erkennt Scharfe drei verschiedenekulturelle Gebärden, welche einen historischen Wendepunkt in der Fröm-migkeit markieren- und bereits auf eine Abwendung hindeuten. Die neueGebärde des Messens als rationalistische Weltaneignung rückt in den Vor-dergrund, doch daneben erinnert das Zurücklassen von Gegenständen an diealte Gebärde des archaischen Opfers, die Suspension des Glaubens und derVerzicht auf das Gebet im gefährlichen Moment ausgesetzter Klettereikünden von der künftigen Gebärde. Der Reiz dieser dichten Beschreibungliegt aber nicht zuletzt in ihrer Vielschichtigkeit.

Diese gelungene Festschrift ist nicht nur eine lohnenswerte Lektüre fürKenner und Freunde Martin Scharfes sondern auch für ein erstes Kennen-lernen geeignet.

Bernhard Fuchs

HESS, Sabine, Johannes MOSER( Hg.): Kultur der Arbeit Kultur derneuen Ökonomie. Kulturwissenschaftliche Beiträge zu neoliberalen Arbeits-und Lebenswelten. Graz, Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie,2003, 170 Seiten.

Auf den ersten Blick liefert der Sammelband ,, Kultur der Arbeit- Kulturder neuen Ökonomie eine eher deprimierende Bestandsaufnahme der zu-nehmend neoliberal geprägten Arbeits- und Lebenswelten. Bei genaueremLesen jedoch gestatten die meisten Beiträge weit mehr als nur einen Einblickin verschiedene Branchen und mehr als Statements von AkteurInnen/ Betrof-fenen. Die acht Aufsätze( zu diesen gesellt sich eine- zu kurze- Einleitungder HerausgeberInnen) resultieren aus einer Vortragsreihe, veranstaltet vonder Frankfurter Gesellschaft zur Förderung der Kulturanthropologie inKooperation mit dem dortigen Universitätsinstitut für Kulturanthropologieund Europäische Ethnologie sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund undbeziehen sich mehr oder weniger auf Deutschland. Das tut dem Erkenntnis-wert keinen Abbruch; jedenfalls auf Österreich und andere umliegendeLänder lassen sich die Beobachtungen und Analysen übertragen.

Frauen sind in diesem Band( thematisch wie als Autorinnen) etwasunterrepräsentiert; und zwei der drei Autorinnen setzen sich in ihrem Beitragmit Hausarbeit auseinander. Am Beispiel von osteuropäischen Au Pairsschreibt Herausgeberin Sabine Hess über die globalisierte Hausarbeit und