Jahrgang 
109 (2006) / N.S. 60
Seite
85
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LX/ 109, Wien 2006, 85-107

Literatur der Volkskunde

ZIMMERMANN, Harm- Peer( Hg.): Was in der Geschichte nicht aufgeht.Interdisziplinäre Aspekte und Grenzüberschreitungen in der Kulturwissen-schaft Volkskunde. Marburg, Jonas- Verlag, 2003, 160 Seiten, Abb.

Die Festschrift für Martin Scharfe ging aus einem Symposion hervor,welches 2001 anlässlich seines 65. Geburtstages in Marburg stattfand. DerTitel der Veranstaltung ist identisch mit dem der Publikation: ,, Was in derGeschichte nicht aufgeht. Interdisziplinäre Aspekte und Grenzüberschrei-tungen in der Kulturwissenschaft Volkskunde." Diese etwas rätselhaft klin-gende Formulierung vom ,, Aufgehen in der Geschichte verdankt sich einerÜberlegung Josef Dünningers aus dem Jahr 1969, worin dieser versuchte,die Spezifik des Faches Volkskunde- überspitzt formuliert aus den( un-terstellten) Defiziten der Geschichtswissenschaft abzuleiten. Dankenswer-terweise halten sich die Beiträge nicht mit negativen Abgrenzungsversuchenvon unserer Nachbardisziplin auf. Wenngleich die Form der Interdiszi-plinarität etwas vage bleibt, so werden umso selbstbewusster- und durchausüberzeugend Grenzüberschreitungen in künstlerische, poetische, literari-sche, kulturwissenschaftliche, philosophische Gefilde unternommen. DieFormel vom ,, Nicht- Aufgehen in der Geschichte wird immer wieder auf-gegriffen und etwa verglichen mit dem Aufgehen einer Saat und demNicht- Aufgehen einer Rechnung oder auch variiert als ein ,, Nicht- Eingehenin die Geschichte. Das Alltägliche und Banale als Gegenstand unseresFaches lässt sich in diesen Formulierungen wiederfinden und wird in Fall-studien mit viel Liebe zum Detail vorgeführt.

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In diesem kompakten Buch ist es gelungen, die feierliche Atmosphäreeiner akademischen Geburtstagsfeier in eine Festschrift zu übertragen. DieReferentInnen repräsentieren Netzwerke der Scientific Community, nachprominenten FestrednerInnen kommen SchülerInnen mit einem ebenso wit-zigen wie klugen Fotoessay an die Reihe. Hierauf folgt Harm- Peer Zimmer-mann als Vertreter des Instituts, der in seiner philosophisch- phänomenolo-gischen Analyse der Liebe auf den ersten Blick beharrliches Insistieren unddie philosophische Vertiefung in einen Augenblick demonstriert. Womitauch der Eindruck vermittelt wird, dass Martin Scharfes Saat aufgegangenzu sein scheint, und in Marburg auch weiterhin der Weg für eine Kulturwis-senschaft nach seinem Vorbild bereitet wird. Abschließend brilliert der