82
Chronik der Volkskunde
ÖZV LX/ 109
Europa für die Bürgerin/ den Bürger ein konkretes, in sich aber höchstvielfältiges und auch widersprüchliches Gesicht bekommt".2
Das internationale und interdisziplinäre Symposium schnitt aktuelle Fra-gen an. Die Präsentationen wurden von mehreren Fragen und Kommentarenbegleitet, was Diskussionen zu Konzepten der Europaforschung zur Folgehatte.
Reinhard Johler( Tübingen) skizzierte in seinem Eröffnungsvortrag( ,, Woist Europa? Ethnographische Annäherungen“) eine breite Palette von ,, Geo-grafischen Zentren Europas“, stellte aber auch Perspektiven und erzielteErgebnisse der Europaforschung einer Symposiumsöffentlichkeit zur Dis-kussion. Marie- Louise von Plessen( Berlin- Brüssel)( ,, Das Europa- Muse-um in Brüssel: Planung und Konzept“) präsentierte Planung und Konzeptdes Europa- Museums in Brüssel als eine Konstruktion des Mythos europäi-scher Integration. Europäisierung als Anonymisierung, der Kampf gegen dieDenationalisierung, Konflikte, religiöse Dimensionen wurden unterstri-chen. Bernhard Tschofen( Tübingen)( ,, Ein Europa der kulinarischen Regio-nen? Konstituierung und Praxis raumkultureller Bindungen“) wies daraufhin, wie der Genus und der Geschmack mit Landschaft und Raum verbundensind; er sprach über Konstituierung und Praxis der Regionen. Die Einstel-lung der Bürger zum real existierenden Europa; ,, die EU reklamiert Europafür sich" bot Stefan Immerfall( Berlin) in seinem Beitrag( ,, Europa gegenEU: Das real existierende Europa in der Sicht der Bürger“) dar. WalterLeimgruber( Basel)( ,, Europa an der Wand. Schweizerische Verortungen")zeichnete anhand reicher Bildpräsentationen ein intellektuelles Portrait derEU. Er merkte an, dass von Seiten der EU gegenüber Ost- Europa diegleichen Argumente im Vordergrund stehen wie seitens der Schweiz gegen-über der EU.
Von besonderem Interesse waren die Vorträge von Wissenschaftlerinnenaus Süd- Ost- Europa: Magdalena Elchinova( Sofia, Bulgaria), Teodora Ste-fanescu( Oradea, Rumänien), Viktoriya Hryaban( Czernowitz, Ukraine).Magdalena Elchinova stellte in ihrem Vortrag ,, The making of an EuropeanIdentity. The case of Bulgaria" ein Projekt vor, das sie mit Studentendurchgeführt hat. Auf dem Ergebnis zahlreicher Interviews basierend, stelltesie in ihrem Projekt folgende Fragen und versuchte sie zu analysieren:Gehört Bulgarien zu Europa, was bedeutet es, ein Europäer, eine Europäerinzu sein, fühlen die bulgarischen StaatsbürgerInnen sich wirklich als Euro-
2 Das Programm des Internationalen Symposiums ,, Where is Europe?/ Wo istEuropa?/ Où est l'Europe?" Dimensionen und Erfahrungen des neuen Europa amLudwig- Uhland- Instituts für Empirische Kulturwissenschaft Tübinger kultur-wissenschaftliche Gespräche 4.