2006, Heft 1
Chronik der Volkskunde
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Webens. Für Riegl, der in Wien als Fachmann für Textilien galt, scheinenBüchers Überlegungen tatsächlich von zentraler Bedeutung gewesen zusein. Bekanntlich bildete dessen ökonomische Stufentheorie auch das Ge-rüst für Riegls Essay Volkskunst, Hausfleiß und Hausindustrie, worauf indem Vortrag ,, Alois Riegl und die Nationalökonomie“ hingewiesen wurde.Nicht zuletzt dieses Beispiel belegt, wie offen der Kunsthistoriker fürEinflüsse von scheinbar weit abgelegenen Fächern war. Umgekehrt jedochbot sein Werk auch für andere Disziplinen Anregungen, und zwar nicht nurfür die Volkskunde, sondern auch für die Archäologie und sogar für Bereicheder außereuropäischen Forschung, namentlich für die Islamwissenschaften.Wie Oleg Grabar( Institute for Advanced Study, Princeton) ausführte, ent-zündete sich anhand von Riegls Theorien zur Ornamentik- dargelegt inseinen Stilfragen- eine lebendige Diskussion über den Wert der Mshatta-Fassade( heute im Pergamon Museum, Berlin), die fast zur Gänze ausornamentalen Formen besteht. Die Tatsache, dass Riegl das Ornament nichtbloß als beliebige Dekorationsform ansah, sondern ihm einen autonomenkünstlerischen Status zusprach, erleichterte es der Wissenschaft, einen ad-äquaten Zugang zu jenem imposanten Werk bzw. zu den diversen Kunsttra-ditionen des Orients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients zu finden.
Die Frage, welchen Gewinn die Wissenschaft im 20. Jahrhundert ausRiegls Arbeiten zog, stellten auch Heinrich Dilly( Universität Halle) undRegine Prange( Universität Frankfurt am Main). Dilly erinnerte an denPhilosophen Paul Feyerabend, für den die Spätrömische Kunstindustrie zueiner Art intellektueller Leitschrift wurde. Prange wiederum schlug vor,Riegl als einen Wegbereiter der modernen Kunst zu betrachten; erstens, weilseine Kategorie des Kristallinischen sich etwa auch im architektonischenKonzept Bruno Tauts wiederfindet; und zweitens, weil Riegl noch vorKandinsky und dem Blauen Reiter den Primitivismus als Kern des Moder-nismus eingeführt habe.
Ein Hauptakzent des Symposions war schließlich dem Wirken Riegls alsDenkmalpfleger gewidmet. Riegl hatte 1903 das Amt des Generalkonser-vators der Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale über-nommen und formulierte in dieser Funktion den Entwurf eines Denkmal-schutzgesetzes. Die Besonderheit dieses Textes liegt in dem Umstand, dassRiegl darin den Gegenständen- und seien sie auch noch so unscheinbarnicht nur einen jeweils historischen Wert, sondern auch einen so genanntenAlterswert zusprach. Der Alterswert nimmt Bezug auf die Zeitlichkeit undVergänglichkeit eines Denkmals, was in letzter Konsequenz jedoch bedeu-
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6 Bücher, Karl: Arbeit und Rhythmus.(= Abhandlungen der kgl. sächsischenGesellschaft der Wissenschaften. Phil.- hist. Cl. 17.5). Leipzig 1897.