2006, Heft 1
Mitteilung
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ger wie auch Gegner hatte: 6 Die Einzelheiten seiner Biographie sind vielfachunklar: Ab 1648 jedoch gibt er sich als der erwartete Messias aus, unter-nimmt mehrere Predigerreisen im Osmanischen Reich und wird von einergroßen Anzahl von Anhängern verehrt. Die Bewegung weitet sich zu einerArt europaweiten Massenhysterie aus, und jüdische Gemeinden von Ham-burg und Avignon bis Nordafrika erklären sich bereit, dem neuen Prophetenzu folgen. Am 30.12.1665 trifft er in Istanbul ein, um sich vom Sultan alsKönig der Juden bestätigen zu lassen. Der Großwesir Ahmet Köprülü wirftihn jedoch in den Kerker und es verbreitet sich in Europa die Kunde vonseinem gewaltsamen Tod. In Wirklichkeit wird der Inhaftierte gezwungen,zum Islam überzutreten und ins Exil nach Montenegro geschickt, wo er am16.6.1676 sein Leben läßt.s
Manche Einzelheiten seines Lebenslaufes lassen sich mit diesem Schein-prozess vor dem Groß- Türken und seiner spielhaften Hinrichtung in Verbin-dung bringen. 1666 wurde als Jahr der Apokalypse angesehen( 1000+ 666)und das Ende der Welt war für den 16.6.1666 angesagt; im populärenDruckschrifttum vieler europäischer Länder figurierten Porträts, Nachrich-ten und Fabulate von dem legendären Messias der Juden; darüber hinausverbreitete sich die falsche Nachricht von seinem Märtyrertum und gewalt-samen Tod am Bosporus in Holland, Deutschland, Polen und Russland.10Venedig war sicherlich Teil dieses Nachrichtennetzes" und von dort gelang-te die Nachricht ins venezianische Zante. Die jüdische Gemeinde versuchte,das Schand- Spektakel um jeden Preis zu verhindern, jedoch vergeblich; zuvehement war das antisemitische Ressentiment, für das es vielfache Belegegibt: noch 1777 sucht auf Korfu ein Priester bei der Kirchenbehörde daruman, von der Darstellung des Judas bei der alljährlichen Fußwaschungsszenebefreit zu werden, weil er aufgrund der Identifizierung seiner Person mit derRolle des Christusverräters mannigfachen Nachstellungen von seiten der
6 Frank, C.: Einführung zur jüdischen Geschichte: Der Chassidismus. 2 Bde.Frankfurt am Main 2001.
7 Vgl. vor allem Scholem, G.: Sabbatai Azevi, The mystical Messiah 1626-1676.Princeton 1973( mit der gesamten älteren Literatur).
8 Vgl. auch Finkel, E.: Sabbatai Zwi in Ost und West. Berlin 1905; Davidowicz,K. S.: Theologische Realenzyklopädie 29, S. 533-539 und viele andere Artikelin Lexika und Enzyklopädien.
9 Z.B. Waught, D. C.: News of the False Messiah: Reports on Shabbetai Zevi inUkraine and Muscovy. In: Jewish Social Studies XLI/ 3-4( 1979), S. 301–322.10 Maier, I., W. Pilger: Polnische Fabelzeitung über Sabbatai Zwi übersetzt für denrussischen Zaren. In: Zeitschrift für Slavische Philologie 61( 2003), 2, S. 1–39.11 Vgl. z.B. Kaufmann, D.: Eine Venetianische Depesche über Sabbatai Zebi. In:Allgemeine Zeitung des Judentums 1898, S. 364.