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Mitteilung
ÖZV LX/ 109
Pfale seinen Geist auffgeben solte. Es war eine große Menge Volcks auffdem Platze vorsamlet/ wo diese Comaedi[ sic] auff einem aufgerichtetenTheatro agiret und gespielet wurde: So alles denen da selbst wohnendenJuden/ deren sich dann viel zu Zante befinden/ zur confusion/ Schand undSpott von den Christen geschehen. Diese hatten aber all ihre Häuser undFenster feste versperret/ und ließ sich in zweyen Tagen keiner auff denGaßen sehen; Haben auch vorhin viel Geld dem Gouverneur schon spendiret/ und noch ein mehrers zu geben erboten/ im fall er diese Comoediverhindern und ihren Meßiam so schimpflich zu tractiren nicht gestattenwolte; Es kunte aber nicht seyn/ denn der Tumult unterm Volck war zu groß/ und dem Gouverneur zu stillen unmöglich.“ 1
Der Passus ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Troili befand sichauf einem Kaufmannsschiff, das Lebensmittel von Venedig nach Kreta( Candia, Heraklion) für die dort von den Türken belagerten venezianischenTruppen² bringen sollte, stach von Venedig am 12.1.1666 in See und gerietnach mehrtägiger Reise in der Adria³ auf der Höhe von Korfu in einenSeesturm, der das Schiff beinahe kentern ließ, so dass sich der Capitanogezwungen sah, die Reise in Zante zu unterbrechen, um die entstandenenSchäden reparieren zu lassen. Troili befand sich insgesamt eine Woche aufdem ,, fioro di Levante" und beschreibt in Detail Landschaft, Bevölkerung,Produktion und Handel; 4 seine Angaben, wie auch dem übrigen Buch seinerPilgerfahrt nach Jerusalem zu entnehmen ist, sind durchwegs authentischund im allgemeinen zuverlässig.
Bemerkenswert ist zweifellos die Anführung von Sabathai Sevi alsProtagonisten dieses antisemitischen Karnevalsspektakels. Shabbetai Zebioder Sabbatai Zwi( Smyrna 1626- Dulcigno 1676) 5 ist in der Geschichtedes jüdischen Mystizismus bekannt als Gründer des Sabbatianismus, dernoch bis ins 18. Jahrhundert hinein bestand, und sowohl fanatische Anhän-
1 Troili, op. cit, S. 15 f.
2 Candia( Heraklion) fällt nach 25- jähriger Belagerung 1669 in die Hände derTürken( Eickhoff, E.: Venedig, Wien und die Osmanen. Umbruch in Südosteu-ropa 1645-1700. München 1973, S. 27 ff., 228–264).
3 Op. cit, S. 6 ff. ,, Von den Oertern/ auff welche wir wehrender dieser Seefarthkommen und zu rechten oder Lincken Hand haben liegen lassen."
4 Op. cit., S. 13 ff.
5 Die Schreibweise variiert je nach Sprache und Quelle: Shabtai Zevi, Sabatai Sevi,Sabbatay Sevi, Shabbatai Tsvi, Shabtay Tsvi, Sabeta Sevi, Shabbetay Zevi usw.( Scholem, G.: Der mystische Messias. Frankfurt am Main 1992, S. 7, 15-18,ders.: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Frankfurt am Main 1967,S. 1-4). Da es sich um eine aschkenasische Familie handelt, ist möglicherweiseSabbatai Zwi vorzuziehen.