Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wasserkrug und Kamm : Verena von Zurzach als Kasus für die Grenzen und Möglichkeiten der ikonologischen Methode
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2006, Heft 1

Wasserkrug und Kamm

3. Genealogie und Fruchtbarkeit

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Um 1010 schreibt ein Mönch aus Zurzach das so genannte Mirakel-buch.20 Neben der frühesten Erwähnung von Verenas Festtag, dem1. September, enthält das Buch auch eine Kompilation aller Wunderund Geschehnisse, die an ihrem Grabe stattgefunden haben. DerAutor berichtet über eine adlige Pilgerin, die Herzogin von Reginlin-de( Anfang 10. Jahrhundert), deren Ehe mit dem fränkischen GrafenHermann kinderlos geblieben war. Nach einem Besuch des Heilig-tums zu Zurzach bekam das Ehepaar eine Tochter. ,, Sie übernachtetenan demselben Ort. Die Frau träumte, dass eine Taube vor ihrer Brustschwebe und sich in ihrem Bauch einnistete. Dies erzählte sie ihremMann. Der Mann war weise und wusste, dass sie eine Tochter bekom-men würden. Die Frau empfing und gebar eine Tochter. Diese Tochterwurde in der Welt geehrt, doch mehr noch, so glauben wir, imHimmel." 21

Die Tochter war Ita von Schwaben, die spätere Frau Luidolfs( 954), dem Sohn Kaiser Ottos I. Reginlinde stiftete eine der Verenageweihte Kirche in Stäfa und gab viele Schenkungen an Zurzach. DieKirche in Stäfa befand sich bei den so genannten Wannenbrünneli.22Diese Mergelsteinhöhlen waren bereits ein vorchristlicher Kultort fürFruchtbarkeitsriten. Nun wurde dieser Ort ein Verena- Brunnen undes entstand der Glaube, dass Verena selbst diesen Ort während ihrerWanderjahre besucht habe. Als Kindsbringerin wurde Verena beson-ders von Agnes von Ungarn( 1364) verehrt. Verena wurde dieHausheilige der Habsburger, und dies erklärt auch ihr Erscheinen imGlasfenster der habsburgischen Klosterkirche zu Königsfelden.23

20 Für eine umfassende Besprechung siehe Reinle: Die heilige Verena( wie Anm. 2),S. 48-70; Egli: Die hl. Verena( wie Anm. 1), S. 53-70.

21 Et in ipso loco pernoctaverunt. Praedicta autem matrone vidit per somnium quasidescendere in sinum suum, et in eo latitantem, narravitque viro suo. Ipse autemsciebat, quia vir sapiens erat, quod filiam procrearent. Quae concepit et peperitfiliam. Ipsa autem eorum filia innumeris honoribus crescebat in saeculo, sedmaioribus apud Deum, ut credimus, pollebat in caelo. Aus: Egli: Die hl. Verena( wie Anm. 1), S. 56.

22 Egli: Die hl. Verena( wie Anm. 1), S. 29–32.

23 Reinle, A.: St. Verena von Zurzach als habsburgische Hausheilige. In: Kunst undArchitektur in der Schweiz 47( 1996), S. 152–160; Letsch- Brunner, S.: Die hl.Verena von Zurzach. Eine Frau im Gefolge der Thebäischen Legion. In: Märty-rerkult im Mittelalter. Kunst und Architektur in der Schweiz 54( 2003), S. 41-45.