Aufsatz in einer Zeitschrift 
Goldene Jahre : über Autobiografien österreichischer Schirennläufer
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2006, Heft 1

Goldene Jahre

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Auch Günther Mader figuriert sich als armes Tiroler KindPrivilegierten waren längst in der Schihauptschule, während er imHeimatdorf trainieren musste, ohne viel Unterstützung durch Gemeindeoder Liftgesellschaft. SchifahrerInnen hätten in Tirol von klein auf eineenorme Konkurrenz, das sei in anderen Bundesländern nicht so. DieEltern verzichteten zugunsten von Material, Reisen und Training aufeinen geplanten Hausbau und wurden schließlich- so zumindest Ma-ders Darstellung- durch die Erfolge ihres Sohnes belohnt.

Der Einstieg in den Wettkampfsport ist meistens klar und mit einemErlebnis verbunden: die Anfahrt zum ersten Rennen, der erste Trai-ningskurs, die Aufnahme in einen Kader. Ebenso ist es mit demAusstieg. Während Anfang und Ende deutlich markiert sind, wird derRest der Karriere zwar grob nach dem Muster Aufstieg, Höhepunktund Abstieg nachvollzogen, ist aber vielfältiger strukturiert und inden einzelnen Phasen nicht trennscharf. Die Autobiografen- undwohl auch die Leben dahinter- folgen eher den Prämissen eineridealen Erzählung. Zur guten Geschichte gehören nämlich Wende-punkte und Komplikationen. Erfolgs- und Aufsteigergeschichtenklassischen Zuschnitts brauchen dramatische Momente des Misslin-gens als überwundene Hürden, um die anschließenden Erfolge umso deutlicher heraus arbeiten zu können und Leistungen zu betonen.4Den Schirennläufern genügt es nicht, biografisch erfolgreich zusein. Den eigenen Lebensentwurf zu behaupten und für ihn vonanderen anerkannt zu werden, reicht nicht aus für Selbstbewusstseinund Glück. Wie die meisten von uns- aktuelle neoliberale Ver-hältnisse verstärken das- wollen sie beruflich erfolgreich sein. Istder Interpretationsspielraum für Erfolg in Bezug auf Berufsbiogra-fien ohnehin gering, gilt das verschärft in einem Feld wie Spit-zensport: Die Kriterien sind klar: Starts, zur Gänze absolvierte Läufe,Zeitmessung, Punkte und Tabellen. Erfolg bedeutet vor allem einSieg, alles andere ist tendenziell schon Niederlage.

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In der Take- Off- Phase einer Sportlerkarriere gibt es ein wildes Aufund Ab und gleichmäßige Leistungen müssen erst erarbeitet werden.Günstig für die Autobiografien, denn das Gemenge von Erwartbarem

42 Vgl. Mader: ÜberLeben( wie Anm. 7), S. 16-24.

43 Vgl. Löffler, Klara: Die Überfrau. Zur Institution der Unternehmerinnen- Biogra-phie. In: Götz, Irene, Andreas Wittel( Hg.): Arbeitskulturen im Umbruch. ZurEthnographie von Arbeit und Organisationen(= Münchner Beiträge zur Volks-kunde, 26). Münster u.a. 2000, S. 141-156, hier S. 144 f.