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Nikola Langreiter
ÖZV LX/ 109
Werbebranche. ,, Der Presserummel macht mir normalerweise nichtviel aus. That's showbusiness Geben und Nehmen“, 29 sagt einabgeklärter Karl Schranz, der heute außerdem glaubt, dass der Medi-enrummel nach dem Ausschluss von den Olympischen Spielen 1972ihn vor Depressionen bewahrt hatte und ihn den Schock über dasabrupte Karriere- Ende übertauchen ließ.30
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Auf Hermann Maier hingegen lauerte bei der Entlassung aus demSpital nach dem Motorrad- Unfall schon eine ,, hungrige Journalisten-Meute".31 Und auch sonst leide er immer wieder unter Medienberich-ten unfairen Kollegen würden in Interviews seltsame Aussagenentlockt und Maier generell alles mögliche unterstellt. 32 Parallel dazufinden sich in Maiers zweitem Buch Interviews wortwörtlich abge-druckt, das erste nach dem Motorrad- Unfall zum Beispiel oder einTranskript seines Auftritts in der österreichischen Fernseh- Talkshow,, Vera“. Zahlreiche Faksimiles von Zeitungsausschnitten- guteSchlagzeilen, Covers, Bilder- lassen vermuten, dass Berichterstat-tung zwischendurch auch für Freude und Stolz sorgt.33
Selbstbilder werden selbst erzeugt, aber manchmal werden Kon-zepte übernommen, die von anderen entwickelt worden sind- derMensch sagt über sich, was andere über ihn sagen. 34 In den Vorwortenführen die Co- Autoren mehrfach die Schiprofis als Charaktere ein,überwiegend als, wilde Hunde'- selbstbewusst, mutig, optimistisch,ausgestattet mit eisernem Willen.35 In Karl Schranz' Mein ,, Olympia-
29 Schranz: Olympiasieg( wie Anm. 19), S. 21.
30 Vgl. ebd., S. 37; S. 223. Für eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Medien-berichte vgl. Stöber, Barbara: Die Berichterstattung über den ,, Fall Schranz“ inden Printmedien. Ein internationaler Vergleich. Wien( Diplomarb.) 2004; zurProduktion nationaler Identitäten durch die Medien auf Basis von Sport vgl.Whannel, Garry: Sport and the Media. In: Coakley, Jay, Eric Dunning( Hg.):Handbook of Sport Studies. London u.a. 2000, S. 291–308, hier v.a. S. 300.31 Maier/ Okresek: Rennen( wie Anm. 6), S. 82.32 Ebd., S. 264.
33 In Karl Schranz Autobiografie finden sich gewissermaßen im Anhang Notizenvon Journalisten und Wegbegleitern; in erster Linie Sportreporter kommen hierzu Wort. Hermann Maier jammert außerdem über PR- Termine- bei jedemBlödsinn, den Sponsoren anzettelten, müsse er mitmachen. Zugleich präsentierter in den Fototeilen eine Fülle von PR- und Werbesujets.34 Hahn: Konstruktionen( wie Anm. 4), S. 98.
35 Die( Auto-) Biografen frischten durchwegs ihre Erinnerungen mit Hilfe vonPresse- und Vereinsarchiven auf; Franz Klammer und Karl Schranz hatten vonFans zusammengestellte Pressespiegel zur Verfügung. ,, Und es hat etwas durch-