2006, Heft 1
Goldene Jahre
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kommt oft zu spät22 und beim Besichtigen der Rennstrecken ist er wieein Tourist auf der Piste unterwegs mit dem Plan in der Handbraucht er stets ewig lang, bis er sich mit dem Streckenverlaufauskennt; 23 in Hotelzimmern muss er sich erst einmal eingewöhnenund das Zusammenpacken bei der Abreise bedeutet jedes Mal einegrößere Herausforderung. 24 Wie andere junge Leute und erfolgreicheMänner macht er den ein oder anderen Blödsinn: Bei ausgelassenemFeiern knackst er sich eine Rippe an. ,, Ich ärgerte mich über meineDummheit. Andererseits: Wann sollte ich feiern, wenn nicht nach soeinem Sieg? Ich bin eben in jeder Beziehung extrem!" 25
Günther Mader wiederum hat einen ,, Tiroler Sturschädel“, mit demer schon durch so manche Wand musste. Alberto Tomba habe denlockeren Italiener kultiviert, während Mader trainierte und Materialentwickelte: ,, Günther war nie, Everybody's Darling', das wollte erauch nie sein- dennoch ist er mit sechs, Goldenen Teekannen' derbeliebteste Skirennläufer, den Österreich je hatte. Woran das liegt?, Ich war immer offen, ehrlich und direkt. Das mögen die Leute', sagter." 26
Und Karl Schranz kann heute erklären, warum er so ganz besondersin die Debatte rund um den Amateurstatus von Leistungssport-lerInnen verwickelt war: ,, Ich kann nicht klein beigeben. Ich kannden Mund nicht halten, wenn ich eine Sache für unrichtig oder garungerecht erachte. Ich kann nicht diplomatisch sein." 27
Die Sportler wissen, dass die großen Veranstaltungen und dieMedien Wir- Gefühle inszenieren, die wenig mit Solidarität, zwi-schenmenschlicher Verbindung oder ähnlichem zu tun haben. ,, Ritua-le legen Aufmerksamkeit und Zusammengehörigkeitsgefühle nahe,obwohl sie diese nicht notwendigerweise nach sich ziehen.“ 28 Undden meisten der Stars ist nur allzu bewusst, dass mediales Interesseihren Marktwert steigert – bei den Fans, bei den Sponsoren und in der
22 Vgl. Maier, Hermann: Ich gehe meinen Weg. Die einzige autorisierte Biographiedes Olympiasiegers. Aufgezeichnet von Michael Smejkal. Wien, München 1998,nur z.B. S. 70, S. 103, S. 108, S. 177 f.
23 Ebd., S. 106.
24 Maier/ Okresek: Rennen( wie Anm. 6), S. 249 f.
25 Ebd., S. 270.
26 Mader: ÜberLeben( wie Anm. 7), S. 15; S. 80; vgl. S. 81; S. 173.
27 Schranz: Olympiasieg( wie Anm. 19), S. 205.
28 Breuss, Susanne, Karin Liebhart, Andreas Pribersky: Inszenierungen. Stichwör-ter zu Österreich. Wien 1995, S. 297.