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Nikola Langreiter
Schistars über sich – Selbstbilder
ÖZV LX/ 109
,, Der Gewinn des Gesamt- Weltcups verlieh meiner Bekanntheit undPopularität einen neuen Schub. Das merkte ich während der toten Saison.Ich konnte mich der Einladungen kaum erwehren.[...] Gast bei derHochzeit des Aga Kahns in Paris, Autogrammstunde in einem Schuhhausin Bern."* 19
Autobiografien haben- wenigstens von der Intention her- meistensden Charakter von, Eigenwerbung‘.20,, Die CI des Selbstgesprächs istdie Wasserdichtheit gegen Fragen und Antworten“, kommentierte derSportjournalist Johann Skocek kürzlich die Autobiografie des öster-reichischen Fußballspielers Herbert Prohaska.21 Viele der Stars nut-zen die Gelegenheit, kursierende Bilder und Vorstellungen rund umihre Person autobiografisch richtig zu stellen. Unter anderem indiesem Zusammenhang wird gegen die Medien gewettert, die gierignach Neuigkeiten und Sensationen, ständig überinterpretierten undbisweilen der Fantasie freien Lauf ließen. Vor allem scheinen dieSportler darunter zu leiden, über ihre eigenen Statements nicht ver-fügen und nicht beeinflussen zu können, was die Medien damitmachen und wie das wiederum beim Publikum Fans oder nicht-ankommt. Sind Geschichten einmal im Laufen, sind sie von denBetroffenen selbst kaum mehr aufzuhalten. Zugleich ist allen Renn-läufern klar, wie abhängig von den Medien sind.
,, Querulant“ wird etwa Hermann Maier oft geschimpft, dabei ister nur ehrlich, bodenständig und echt, ein Einzelkämpfer, kein An-passler, sein Recht ist ihm wichtig und sein Wort gilt. Maier ist nichtintellektuell, abgefeimtes Taktieren ist ihm fremd. Er ist zwar Hermi-nator, Auẞerirdischer, Monster, aber zugleich ein, Normalo‘: Er
19 Schranz, Karl: Mein„ Olympiasieg“. Aufgezeichnet von Stefan König undGerhard Zimmer. Mit einem Grußwort von Dr. Thomas Klestil, Bundespräsidentvon Österreich, und einem Vorwort von Willy Bogner. München 2002, S. 165.20 Und oft Werbung darüber hinaus: Das zweite Hermann Maier- Buch enthält imAnhang einen Steckbrief mit sämtlichen persönlichen Daten( bis hin zu Größeund Gewicht), der Fanpostadresse, Maiers Hobbys, den Lieblingsspeisen undeiner Aufzählung von bevorzugten Marken von der Schibrille über Socken undUnterwäsche bis zur Freizeitkleidung. Keine Spezialität der Schifahrer: In Gold-bergers Absprung gibt es ein großes Farbbild von ,, Goldi" vor seinem Fertigteil-haus mit den Planern der Firma Soundso( wie Anm. 15).
21 Skocek, Johann: Der Lochpass in die eigene Geschichte. In: Der Standard,Album, 10. Sept. 2005, S. A6; vgl. Prohaska, Herbert: Mein Leben. Wien 2005.