Aufsatz in einer Zeitschrift 
Goldene Jahre : über Autobiografien österreichischer Schirennläufer
Einzelbild herunterladen
 

2006, Heft 1

Goldene Jahre

3

Der österreichische Schifahrer Hermann Maier publizierte seineerste Lebensgeschichtes( Ich gehe meinen Weg) 1998 nach einemschweren Sturz. Sechs Jahre später rollte er sein Leben abermals auf.Im ersten Sommer nach dem sportlichen Comeback beschloss er,,, das härteste und schwierigste Rennen meines Lebens noch einmalaufzuarbeiten".6 Rennen symbolisiert hier einen Lebensabschnitt undsteht für die Zeit zwischen einem gravierenden Motorradunfall unddem Wiedereinstieg in den Rennsport. Maier benennt selbst Funktio-nen, die das Aufschreiben von Erlebtem für ihn hatte und spricht vonerinnern und aufarbeiten. Der Autobiograf deutet einen therapeuti-schen Sinn an; LeserInnen liefere er mit seiner Selbstvergewisserungeine authentische, eine ,, echte Geschichte.

Nach einer ähnlich schwierigen Lebenssituation verfasste der ehe-malige Schirennläufer Günther Mader das Buch Überleben. Ski- Star,Schlaganfall- Patient, Manager. Wenige Tage nach seinem Rückzugaus dem Spitzensport erlitt Mader einen Schlaganfall. Mühsam muss-te er die Abläufe des alltäglichen Lebens von Grund auf wiedererlernen. Fünf Jahre nach der Krankheit, nach weitgehender Rehabi-litation und einem beruflichen Neuanfang als Rennlaufmanager einerSchifirma schrieb er über seine ,, drei Leben.7

Erik Schinegger verarbeitete in seiner Autobiografie Mein Siegüber mich eine Geschlechtsumwandlung und damit einen Bruch, wieer in wenigen Lebensgeschichten vorkommt. Vergleichsweise un-spektakulär muten die Bücher anderer, gealterter' Stars an, FranzKlammers Autobiografie zum Beispiel oder jene von Karl Schranz.

5 Die meisten der hier zitierten Sportler haben sich beim Schreiben helfen lassen( von Sportjournalisten) und legen das auch offen. Ich spreche trotzdem vonAutobiografien.

6 Maier, Hermann, Knut Okresek: Das Rennen meines Lebens. Autobiografie.Wien 2004, Umschlag.

7 Mader, Günther: ÜberLeben. Ski- Star, Schlaganfall- Patient, Manager. Graz2003. Diffus bleibt, wer hier geschrieben hat. An manchen Stellen sind ausge-wiesen die Ehefrau oder der Trainer am Wort; zwischendurch wird vom Auto-biografen in der dritten Person geschrieben, parallel gibt es ein ,, Ich" und ,, Wir".8 Schinegger, Erik: Mein Sieg über mich. München u.a. 1988. Diese Geschichtebedürfte einer breiteren Kontextualisierung. Ich gehe daher auf SchineggersAutobiografie hier nicht ein.