Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 1-34
Goldene Jahre
Über Autobiografien österreichischer Schirennläufer
Nikola Langreiter
Österreichische Schirennfahrer erhalten viel öffentliche Auf-merksamkeit; wenig überraschend, dass sie recht zahlreichihre Memoiren veröffentlichen. Was möchten die Stars Lese-rInnen mitgeben? Vier Autobiografien von berühmten( ehe-maligen) Schistars werden exemplarisch analysiert; besonde-re Aufmerksamkeit gilt dabei folgenden Aspekten: Wieschreiben sie über sich selbst, über ihre Körper, über ihreBeziehungen zu anderen und über Österreich. Darüber hinauswird den spezifischen Entstehungszusammenhängen dieserAutobiografien nachgegangen.
,, Es stimmt, ich hab mich vor dieser Autobiografie einhalbes Jahrhundert gedrückt." 1
Autobiografien von SportlerInnen verkaufen sich gut und werdenwohl auch viel gelesen. Schirennfahrer sind die österreichischenSportler schlechthin, vielfach wird ihnen identitätsstiftendes Poten-tial zugesprochen; ² nicht weiter verwunderlich, dass sie verhältnis-mäßig zahlreich ihre Lebenserinnerungen auf den Markt bringen. Dieheimischen Schirennläufer sind, jedenfalls in ihrer aktiven Zeit, un-bestritten Stars- sie sind prominent und gefragt, ihr Leben ist vonöffentlichem Interesse. Auf Basis von vier ,, zufällig" ausgewählten
1 Klammer, Franz: Ein Leben wie ein Roman. Aufgezeichnet von Adi Kornfeld.Wien 2003, S. 233.
2 Vielmehr als den Protagonistinnen; obwohl über den Schisport vereinzelt auchFrauen( Annemarie Moser- Pröll, Petra Kronberger) den Status nationaler Idoleund Symbole erreichten. Für die österreichische Identität ähnlich bedeutsamscheinen Fußball und eventuell noch Schispringen. Interessant, dass Snowboar-den als Negativfolie aufgezogen wird: Die Boarder haben Streit mit den Sport-verbänden und rauchen Haschisch; vgl. Kogoi, Traude, Konrad Mitschka: Dasgroße Buch des Spitzensports. Athleten, Siege, Storys. Wien 1998, S. 45; S. 127.