356 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4
nur-
Sparacio bewusst von früheren( deutschsprachigen) Migrationsstudienabgegrenzt( S. 57). Warum dabei auf ethnologischen Forschungen zwi-schen Deutschland und der Türkei wie jene von Werner Schiffauer undBarbara Wolbert gänzlich verzichtet wurde, bleibt offen. Denn geradeWolberts These aus den 1990er Jahren, dass Pendler/ innen Zugehö-rigkeiten entwickelt haben, die Nationalstaatlichkeit obsolet erscheinenlassen, hätte Sparacio mittels ihrer Befunde konterkarieren können:Obwohl die Rentner/ innen sich transnational verorten und einen mobi-len Lebensstil verfolgen, lösen sich die Orte nicht auf, sie verändern sichNationalstaaten bleiben weiterhin zentrale alltagspraktische Refe-renzrahmen. Daraus leitet sich eine weitere Problematik ab. Transnatio-nale Blickweisen auf gegenwärtige wie vergangene Praktiken bieten nunein Instrumentarium, um das Alltagsleben in der globalisierten Welt zuerfassen – aber die adäquaten Begrifflichkeiten dazu fehlen nach wie vor.Die sich transnational verortenden, Deutschland und der Türkei zugehö-rig fühlenden, die deutsche oder türkische Staatsbürgerschaft besitzen-den Interviewpartner/ innen, sie werden in dieser Studie als>> türkischeRentner/ innen«< bezeichnet. Es gibt noch viel zu tun, aber der Weg, derscheint klar zu sein:» sowohl in die eine, als auch in die andere und damitin eine transnationale Richtung.<<( S. 257)
Claudius Ströble
Johann Traxler, Anton- Joseph Ilk: Liedgut und Bräucheaus dem Wassertal. Weltliche und geistliche Liederder Oberwischauer Zipser, eingebettet in deren Traditionen(= Veröffentlichungen zu den Zipsern im Wassertal, Bd. 4).Nürnberg: Verlag Haus der Heimat 2015, 493 Seiten, zahlreiche Abb.
Das Wassertal, zumindest» Eisenbahnfreaks« wegen der legendärenschmalspurigen Wassertalbahn bekannt, die 1932 vor allem für den Holz-transport erbaut wurde, liegt im nordwestrumänischen VerwaltungskreisMaramuresch( rum. Maramureş), der im Westen an Ungarn, im Nor-den an die Ukraine und im Osten an die gleichfalls zu Rumänien gehö-rige Bukowina grenzt. Ausgangsort des Tales( Valea Vaserului) ist die