Literatur der Volkskunde
Katharina Eisch- Angus( Hg.): Unheimlich heimisch.
Kulturwissenschaftliche BETRACHTungen zur volkskundlich- musealenInszenierung(= Grazer Beiträge zur Europäischen Ethnologie,Sonderband). Wien: Löcker 2016, 268 Seiten, zahlreiche Abb.
» Bedrückend, dümmlich, dunkel, düster, einschüchternd, furchteinflö-Bend, grimmig, gruselig, kalt, krank, leblos, mächtig, passiv, starr, steril,tot, unbehaglich, unfreundlich, ungeschlacht, unsympathisch«<, so erleb-ten die Mitglieder einer studentischen Projektgruppe ihren Forschungs-gegenstand bei ihren ersten Begegnungen damit und oft auch noch spä-ter: den Trachtensaal im Volkskundemuseum in Graz.» Auf den erstenBlick<< seien»> das wohl keine einladenden Worte für die außenstehende,nun lesende Person, um uns auf unserer Forschungsfahrt durch die Geis-terbahn> Trachtensaak zu begleiten«( S. 59), sorgt sich augenzwinkerndSusanne Schicho, eine der AutorInnen der nun erschienenen Publikationzum Projekt. Von Beginn an, wenngleich seltener, wurden in der Gruppeaber auch scheinbar gegenteilige Gefühle und Assoziationen artikuliert,wie» anziehend, beruhigend, charaktervoll, freundlich, gemütlich, gut,heimisch, ruhig, schön, sonnig, stolz«<( S. 72). Und ungeachtet solcherCharakterisierungen ist» Unheimlich heimisch«<- so der passende, anSigmund Freud geschulte Titel nicht erst auf den zweiten Blick eingedanklich und gestalterisch sehr einladendes Buch geworden. Der Bandist aus einem Gesprächs- und Forschungsprozess am Grazer Institut fürVolkskunde und Kulturanthropologie hervorgegangen, der 2015 mit demvon Katharina Eisch- Angus geleiteten zweisemestrigen StudienprojektDer steirische Blick. Ästhetische Performanz und die Volkskunde begann unddank einer parallelen Praxislehrveranstaltung auch in eine Ausstellungmündete. Im Folgenden geht es aber> nur< um das Buch und seine» kul-turwissenschaftlichen BeTRACHTungen«<, die nicht nur dem» allzu> klassisch volkskundlichen ‹ Them[ a]«( S. 158) Tracht gelten, sondernauch weiterreichenden Fragen zu Alltagsgeschichte und Emotion, Wis-senschaft, Museum und Kunst.
Die erwähnten subjektiven Eindrücke wurden in Gruppendiskussi-onen zusammengeführt, wobei neben der ethnopsychoanalytischen Tra-dition auch Alfred Lorenzers Szenisches Verstehen inspirierend und orien-tierend war( u. a. S. 23 u. 60 f.). Besondere heuristische Bedeutung kamFreuds Verständnis des» Unheimlichen« als des» ehemals Heimischen,
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