Jahrgang 
119 (2016) / N.S. 70
Seite
336
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336 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4

Gareth Kennedy. Die unbequeme Wissenschaft. Volkskunstmuseum.Ausstellung vom 14.10.2016- 29.1.2017 in Innsbruck

Am 13. Oktober 2016 wurde im Innsbrucker Volkskunstmuseum dieAusstellung Gareth Kennedy. Die unbequeme Wissenschaft eröffnet. DieseAusstellung findet zu einem äußerst spannenden Moment in der TirolerGeschichte der Aufarbeitung der völkischen und nationalsozialistischenVergangenheit statt, in der sich das» offizielle«< Tirol wie auch gesellschaft-liche und wissenschaftliche Vereinigungen und Institutionen der» volks-kulturellen<< Praxis und Theorie jener Jahre stellen. Auch vor diesemHintergrund ist die Ausstellung zu betrachten, wobei bereits Plakat undFolder auf zumindest drei bemerkenswerte Ebenen dieser Präsentationverweisen. Zunächst einmal die am Plakat auch graphisch hervorgeho-bene Rolle des( irischen) Künstlers Gareth Kennedy und dessen Kon-zept einer>> performative installation«<, in der er sich als Gegenwartskünst-ler mit der Geschichte, den AkteurInnen, den Intentionen und Kontextender>> Kulturkommission des SS- Ahnenerbe( s)«< in Südtirol zwischen 1939und 1942 am Reibepunkt zweier faschistischer, autoritärer Regime aus-einandersetzt. Mit dieser» Kulturkommission« zielt die Ausstellung zumzweiten mehr oder minder ins Herz der( österreichischen) Fach-, Wis-sens- und Wissenschaftsgeschichte und den disziplinären Anstrengun-gen zur Aufarbeitung dieser ideologiegeleiteten Forschung oder derenUnterlassung. Sie fordert zu Reflexionen zum historischen wie aktuellen» Unbequemen« in der anthropologisch- ethnographisch- volkskundlichenWissenschaft heraus, gerade auch weil sie dieses» Unbequeme«< in derSchwebe lässt. Als dritte Ebene verdient besonders das spezielle Settingder Ausstellung/ der Intervention/ der Installation Beachtung, bildet dochnun das Innsbrucker Volkskunstmuseum den spezifischen Rahmen. Dieunter demselben Titel bereits zweimal gezeigte Ausstellung( beides Mal

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Ausführlich dargelegt haben die Diskussion( etwa in der»> Ploner«<- Debatte) wieauch die sich ergebenden wissenschaftlichen Konsequenzen Reinhard Bodner undTimo Heimerdinger. Reinhard Bodner und Timo Heimerdinger: Ein Erinnerungs-fonds für die> Tiroler Volkskultur<? Die Ploner- Debatte( 2011-2014) als Anstoßund Hemmnis eines Forschungsprojekts über Trachten in Tirol. In: ÖsterreichischeZeitschrift für Geschichtswissenschaften, 27, 2016, 2, S. 168-208.