314 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4
die somit auch Fragen an die Volkskunde in der Gegenwart stellen wür-den: Solle man beispielsweise Prospekte von Ketten wie Kaufland oderBaumax sammeln? Denn laut Dvořáková sei es auch künftig nicht nurfür volkskundliche Museen eine wichtige Aufgabe, die Geschichte derObjekte zu erhalten und zu präsentieren. Diese Meinung vertrat auchMarta Kondrová vom bereits erwähnten preisgekrönten Mährisch- Slo-wakischen Museum in Uherské Hradiště. Sie plädierte dafür, konse-quent mit den museumseigenen Sammlungen zu arbeiten- unter aktiverEinbeziehung des Museumspublikums.
Von den Bemühungen des Nationalinstituts für Volkskultur inStrážnice zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO inder Tschechischen Republik berichtete Martin Šimsa. Das Institut hathierzu Forschungsprojekte zu Volkstänzen aus Böhmen, Mähren undSchlesien oder zum traditionellen Handwerk durchgeführt und sammeltvolkskundliche Zeugnisse, bietet aber auch Beratung an und führt selbstVeranstaltungen wie das Internationale Folklorefestival in Strážnicedurch. Einen weiteren Einblick in die Arbeit der tschechischen Museenmit volkskundlichem Schwerpunkt bot Josef Nejdl vom Museum desChodenlandes in Domažlice. Seiner Meinung nach sei das Chodenlandeine der ethnografisch bemerkenswertesten Regionen Europas, da dortdie traditionelle Kultur des 19. Jahrhunderts noch sehr lebendig ist. Seiteinigen Jahren sei auch ein großes Interesse am Erleben traditionellerKulturtechniken im Museum zu verzeichnen: Vorführungen histori-schen Handwerks, zur Hinterglasmalerei und zur Kolatschen- Bäckereiseien regelrechte Publikumsrenner.
Aktivangebote und Handwerkspräsentationen bilden auch imMuseum für Sächsische Volkskunst in Dresden ein wichtige Säule derMuseumsarbeit: Wie Karsten Jahnke berichtete, bescheren solcherleiAktionen zu Ostern und Weihnachten dem Museum etwa zwei Drittelaller jährlichen BesucherInnen. Mit seinen kulturhistorischen Sonderaus-stellungen will das Museum auch einen Bezug zur Gegenwart herstellen:» Kriegsspiele: Rollen, Regeln, Regimenter« befasste sich 2014 u. a. mitaktuellen Videospielen, Live- Rollenspielen, Geländesport- Varianten wie>> Airsoft«<, aber auch mit der jährlichen Nachstellung der Völkerschlachtbei Leipzig. Und wohin entwickelt sich die im Museumnamen erwähnteVolkskunst? Laut Jahnke sei Volkskunst nicht eindeutig definierbar undgerade deshalb werde sie auch künftig mit ihrem kreativen Potenzial docheher ein Dauerbrenner als ein Auslaufmodell im Dresdener Museum sein.