Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Doing commons: Gentrifizierung oder das Ringen um das Gemeinsame im städtischen Raum

  
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Doing commons: Gentrifizierung oder das Ringen um das Gemeinsame im städtischen Raum
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4

Gentrifizierung vs. Urban Commons

Bevor ich auf die konkreten Praktiken bei» Kotti& Co<< zu sprechenkomme, möchte ich den Begriff der Gentrifizierung und den der( nichtnur Urban) Commons innerhalb der aktuellen Urban Studies noch etwasschärfen. Stadtpolitische Auseinandersetzungen als Anti- Gentrifizie-rung zielten in Berlin in den letzten Jahren in Stadtteilen wie Kreuzberg,Moabit oder Wedding nicht selten auf neu entstehende so genannteHipster- Orte( Cafés, Boutiquen und Galerien), die durch Graffiti, Auf-kleber und Plakate Ziel von Kampagnen werden. Diese stellen die durchkulturelle Praktiken erfolgende Aufwertung von Stadtteilen in den Vor-dergrund ihrer politischen Arbeit¹. Bereits 1996 hatte Neil Smith etwadie Image- Kampagnen von Städten mit den Logiken der Inwertsetzungdes Immobilienmarktes durch anlagesuchendes Kapital in Verbindunggesetzt und dies in Zusammenhang mit politisch- ökonomischen Regula-tionsweisen gerückt, wie etwa Investitionsanreize und die Festlegung vonZinskonditionen durch Notenbanken. 18 In Anti- Gentrifizierungskampa-gnen allerdings wird Segregierung das heißt Verdrängungsprozesse,die eine Verräumlichung sozialer Ungleichheit zur Folge haben oftmalsallzu stark mit kulturellen Aufwertungsprozessen in Verbindung gesetzt.Dies führt zu einem Argumentationsnachteil dieser kritischen Kampag‐nen, da sie vermeintlich urtümliche, lokale Gemeinwesen mit einer ihreigenen Identität voraussetzen, die nun Ziel des Angriffs von» fremdenPionieren«< im Stadtteil( für Berlin in den Figuren der>> Studierende<<,

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16 Vgl. Markus Kip: Moving Beyond the City: Conceptualizing Urban Commonsfrom a Critical Urban Studies Perspective. In: Mary Dellebaugh et al.( eds.):Urban Commons. Moving beyond State and Market. Basel 2015, S. 42-59.Slogans lauten:»> Yuppiepack verpiss dich«<, Currywurst statt Spätzle«,»> sei neolibe-ral, sei Baugruppe, sei Gentrifizierer«<,>> Saubere Wänder= höhere Mieten<<.18 Vgl. Neil Smith: The New Urban Frontier: Gentrification and the RevanchistCity. London 1996. Berlin zählt zu den» Regionen mit positiver demographischerEntwicklung«<, bei denen Immobilienfirmen eine Ausweitung ihres Portfoliosanstreben. In Berlin kam es zu einem Anstieg der Bevölkerung, vor allem aufgrundder Migration aus Ost- und Südeuropa( in abnehmender Reihenfolge u.a. aus Polen,Spanien, Bulgarien und Italien), sodass die Bevölkerung um 32.000 Personen imJahr 2012 angestiegen ist und die Entwicklung sich in Zukunft fortsetzen wird( Destatis 2015; online unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thema-tisch/ Bevoelkerung/ MigrationIntegration/ Auslaend Bevoelkerung2010200147004.pdf? blob publicationFile)( Zugriff: 12.4.2016).