Doing commons: Gentrifizierungoder das Ringen um das
Gemeinsame im städtischen Raum¹
Manuela Bojadžijev
Der Beitrag untersucht, ausgehend von einer Mieter_inneninitiative in Berlin Kreuzberg,wie Praktiken der Kollektivnutzung in Politiken für Kollektiveigentum übergehen können.Er diskutiert die aktuellen Konzepte von Commons in den Debatten der Urban Studies,in dem die Verbindung von materiellen Bedingungen mit immateriellen Praktiken in denVordergrund gerückt werden und kritisiert einen Begriff von Gentrifizierung, der diesenallein mit Ausgrenzung und Vertreibung in Verbindung setzt. Aus ethnographischerPerspektive geht es um solidarisierende Praktiken der Einschließung und Verbindungzur Konstitutierung neuer stadtpolitischer Allianzen.
Berlin im März 2015. Die Berliner Initiative» Mietenvolksentscheid<<( MVE) 2 hat stadtweit» MieterInnenbewegte« eingeladen, um in eineröffentlichen Versammlung einen Volksentscheid einzuleiten. Eine derdas Referendum unterstützenden, mehrheitlich migrantischen und starkvon Frauen getragenen Mieter_inneninitiativen, deren Praktiken imFokus dieses Beitrags stehen werden, ist die 2011 gegründete» Kotti&Co<< aus Berlin Kreuzberg. Die Initiator_innen halten seit Mai 2012
1 Ein Teil der hier vorgestellten Feldforschung basiert auf der gemeinsamen Arbeit indem Projekt>> The Co of Kotti& Co«< mit der Sound Art- Gruppe Ultra- red, an demauch Jan Hutta, Ceren Türkmen und Sabrina Apicella sowie die Jugendgruppe vonKotti& Co beteiligt waren. Das Projekt ist in einer Broschüre der Edition» URXX2009-2014<< dokumentiert( vgl. Ultra- red 2014). Ein anderer Teil, der für diesenBeitrag relevant ist, beruht auf einem Methodenmix aus teilnehmender Beobach-tung( festgehalten durch ein Forschungstagebuch) an diversen Orten der Aktivitätenvon Kotti& Co, auf der Basis von informellen Gesprächen, semi- strukturiertenInterviews mit Aktiven von Kotti& Co sowie auf Gruppendiskussionen im Herbstund Winter 2013 und 2014. Insgesamt fand die über mehrere Monate verteilte For-schung von 2012 bis 2014 statt. Für intensive und inspirierende Diskussionen zumText möchte ich Ulrike Hamann und Kelly Mulvaney herzlich danken.https://mietenvolksentscheidberlin.de/( Zugriff: 18.3.2015).
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