Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Johler, Birgit; Puchberger, Magdalena: Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien
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Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?

für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusange-legenheiten und verblieb nach Ende der provisorischen Regierung imDezember 1945 ÖVP- Mitglied des Bundesrates und Leiter der AbteilungVolksbildung im Unterrichtsministerium. In dieser Funktion bestellteer den 33- jährigen Leopold Schmidt, den er aus den> jugendbewegten<1930er- Jahren und als Redakteur der Zeitschrift der ÖHG von 1936 bis1938 kannte, für das Volkskundemuseum und wurde andererseits vondiesem erneut in den Verein geholt, wo er die Anliegen der Volkskundeund des Museums abermalig unterstützte:» So hat er[ Lugmayer, Anm.Verf.] sich auch dem Verein für Volkskunde bald nach 1945 als Vizepräsi-dent zur Verfügung gestellt, und der Vereinsleitung in manchen schwie-rigen Situationen treulich geholfen.<< 62

2 NS- Zeit, Kriegsende und eine neue Ära

Mit dem 12. März 1938, dem» Anschluss«< Österreichs an das DeutscheReich, verschoben sich einmal mehr die volkskundlichen Perspektivenund Handlungsspielräume. Rasch positionierte Arthur Haberlandt dasMuseum für Volkskunde als» Haus des deutschen Volkstums im Süd-

osten<< 63 ein Versuch, die neue geopolitische Rolle Wiens im Deut-schen Reich als( militär) strategischer und wirtschaftlicher Brückenkopfnach Ost- und Südosteuropa für sich und sein Museum zu nutzen. DerParteianwärter Haberlandt64 hatte allen Grund zur Freude, war doch derVerein für Volkskunde einer jener( verhältnismäßig wenigen) Vereinein Österreich, die im Zuge der Etablierung des NS- Systems im März1938 und im Zuge der» Neuordnung« des Vereinswesens weder auf-gelöst noch in eine andere reichsdeutsche Organisation überführt wor‐den waren. Er selbst konnte die Agenden des Vereins als nunmehrigerGeschäftsführer fortführen und die Geschicke des Hauses weiterhin alsDirektor des Museums lenken. Auch alle anderen Mitarbeiter_innen

62 Schmidt 1972( wie Anm. 57), S. 52.

63 ÖMV, Archiv, Ktn. 24/1938, Mappe Verwaltung/ Personal, Arthur Haberlandt anKajetan Mühlmann, 10.9.1938.

64 Arthur Haberlandt war Anwärter der NSDAP seit März 1938 und Parteimitgliedmit der Mitgliedsnummer 7.681.032 von 1.6.1940 bis Kriegsende. OeStA/ AdR ZNsZGA Gauakt Arthur Haberlandt, 82.932.

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