Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?
wissenschaftliche Tätigkeiten und wissenschaftspolitische Kontakte, diesich ab 1938 für das Haus bzw. die Leitung bezahlt machen sollten. Nichtzuletzt waren mit Eugen Fehrle und Hans F. K. Günther schon vor 1938zwei namhafte deutsche NS- Ideologen Teil des volkskundlichen WienerHorizonts.24
Die Sammlungen des ÖMV als Ressource für Museum und Politik
Für die politischen Eliten aller im Forschungsprojekt untersuchten Sys-teme, also der Ersten Republik, des Austrofaschismus, der NS- Zeit undder ersten Jahre der Zweiten Republik, erwiesen sich die Sammlungen desVolkskundemuseums als äußerst wertvoll: Ideologien und Programmeließen sich an spezifische Objekte anlagern bzw. wurden als Leitobjektedefiniert im Sinne materialisierter Ideologiekonzepte, denn politischewie gesellschaftliche Dynamiken und Prozesse veränderten jeweils dieZu- und Einschreibungen volkskundlicher Objekte. Für alle politischenSysteme des Untersuchungszeitraums waren die Sammlungen des Volks-kundemuseums eine zentrale und vor allem ideologisch formbare Res-source. Sie beförderten die Zusammenarbeit zwischen Museum undden politisch Verantwortlichen, wobei im Zentrum der Bemühungenjeweils die Bestimmung des» Wesenseigenen« stand, das die Konstruk-tion eines>> Wir- Gefühls« unterstützen sollte. Es sollten gerade die spezi-fischen Konstruktionen der 1930er- Jahre sein das» Deutsche<< bzw. das>> Österreichische«<, das» Heimatliche«, das» Katholische<<-, die die Dingemit neuer Bedeutung und neuem kulturellem Wert versahen und ihnenauch nachhaltig eingeschrieben blieben. Insbesondere» Tracht«<, Krippe
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am Museum in der Laudongasse abhielt. ÖMV, Archiv, Ktn. 19/1933, MappeMuseumsaktivitäten/ Sonstige Aktivitäten, Einladung zur Gründungsversammlung,Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung.
Die Namen des NS- Volkskundlers Eugen Fehrle und des NS- RassentheoretikersHans F. K. Günther finden sich neben Hugo Hassinger, Richard Wolfram, KarlHaiding und anderen auf der Einladungskarte für die ordentliche Jahreshauptver-sammlung des Vereins am 23.4.1937. ÖMV, Archiv, Ktn. 23/1937, Mappe Einladun-gen, Einladungskarte Verein für Volkskunde. Fehrle war seit 1931 korrespondieren-des Mitglied des Vereins, Günther seit 1938( Nikitsch 2006[ wie Anm. 2], S. 416).
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