Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Johler, Birgit; Puchberger, Magdalena: Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien

  
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Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien
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194 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4

deutschnationale und völkische Gruppierungen wie Landsmannschaftenoder der» Deutsche Schulverein Südmark«< ihre» Heimat«<. Sie bestimm-ten mit Ausstellungsbeteiligungen und Vermittlungsveranstaltungen dieinhaltliche Programmierung des Hauses und seine Performanz mit undverankerten so das Haus fest in der Wahrnehmung ideologisch unter-schiedlich orientierter Städter_innen. Zugleich demonstrierte die NS-Volkskunde in Deutschland, wie sehr eine akademische Disziplin Teildes staatlichen Machtgefüges werden konnte, und bot den volkskundli-chen Akteur_innen in Österreich bzw. in der Wiener Laudongasse mitihren gut dotierten Forschungsinstitutionen und-verbänden²¹ attraktiveMöglichkeiten der Teilhabe und Vernetzung. So konnte Arthur Haber-landt etwa der Eröffnung des Museums für deutsche Volkskunde am 1.Oktober 1935 in Berlin beiwohnen und an der anschließenden Tagungder Deutschen Volkskunstkommission mit einem Vortrag teilnehmen²²,wie er auch am Zweiten Nordischen Wissenschaftlichen Kongress>> Tracht und Schmuck« in Lübeck 193723 als Volkskundler präsent war-

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S. dazu Hannjost Lixfeld: Institutionalisierung und Instrumentalisierung der Deut-schen Volkskunde zu Beginn des Dritten Reichs. In: Wolfgang Jacobeit, HannjostLixfeld, Olaf Bockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzender deutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahr-hunderts. Wien, Köln, Weimar 1994, S. 139-174, S. 139 f, oder auch Michael Fahl-busch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die>> Volksdeut-schen Forschungsgemeinschaften« von 1931-1945. Baden- Baden 1999.

22 Arthur Haberlandt referierte auf der Tagung der Deutschen Volkskunstkommissionvom 2. bis 3.10.1935 über» Deutsche Volkskunst im Osten«< und hier mit seinemengeren Arbeitsgebiet, dem» Donauosten«<, ÖMV, Archiv, Ktn. 1935/21, MappeSchriftverkehr Ausstellung, Arthur Haberlandt an das Bundesministerium fürUnterricht, 12.9.1935.

23 Alfred Rosenberg wurde im Zuge der NS- Machtübernahme und» Gleichschaltung<<im Jahr 1933 Schirmherr der 1921 in Lübeck gegründeten Nordischen Gesellschaft.S. Birgitta Almgren, Jan Hecker- Stampehl, Ernst Piper: Alfred Rosenberg und dieNordische Gesellschaft. Der» nordische Gedanke« in Theorie und Praxis. In: Nord-europaforum 2,2008, S. 7-51, online unter http://edoc.hu-berlin.de/nordeuropa-forum/ 2008-2/ almgren- birgitta- 7/ PDF/ almgren.pdf( Zugriff: 16.12.2016). Auchbei diesem Kongress referierte Arthur Haberlandt, diesmal mit einem Vortrag zu>> Volkstümliche Webkunst der Germanen und Indorgermanen«<, ÖMV, Archiv,Ktn. 23/1937, Verhandlungsschrift, 30.9.1937.

Die sogenannte>> Nordforschung war in Wien und auch am Volkskundemuseumdurch den Kunsthistoriker Josef Strzygowski stark vertreten, der 1934 die Grün-dungssitzung seiner» Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung«< am 16.12.1933