Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?
Rahmenthema» Beiträge zur Großstadtvolkskunde« 19, auch im diszipli-nären Zusammenhang ein Vorreiter und erwies sich bereits zu diesemZeitpunkt als wissenschaftliche wie ideologische Alternative. Geradedie Wiener Großstadtprozesse und-kontexte sowie der politische Willezur Gestaltung von» Stadt«< als Lebens- und Erlebensraum, wie sie imRoten Wien( etwa durch die kommunalen Schwerpunkte wie Wohnbauund Fürsorge aber auch in der Freizeit- und Jugendkultur) und späterauch im Austrofaschismus zum Tragen kamen, halfen mit, die Positiondes Volkskundemuseums und seiner Protagonist_innen in der Bundes-hauptstadt Wien zu stärken.
Spätestens mit der Etablierung der austrofaschistischen Diktatur1933/34 im März 1933 war durch die Regierung Dollfuß die Aus-schaltung des Nationalrates erfolgt, per 1. Mai 1934 wurden durch dieneue Verfassung die bereits realisierten Veränderungen festgeschrie-ben 20 signalisierten die volkskundlichen Akteur_innen den Willenzur politischen Mitgestaltung und profitierten von den Durch- undZugriffsmöglichkeiten, die das autoritäre Regime mit sich brachte. DasVolkskundemuseum erfuhr mit dem Budgetjahr 1934 vermehrt finanzi-elle Zuwendung von Seiten des Bundes und der Stadt und avancierte zurnationalen Anlauf- und Auskunftsstelle für kulturpolitische Interessen,insbesondere in der staatlich gelenkten» Trachtenpflege« und» Trachte-nerneuerung«< oder auch bei der Planung und Beteiligung an nationalenbzw. internationalen Ausstellungen( z.B.» Österreichisches Bauerntum<<,Wien 1935; Weltausstellung Paris 1937). Neben der offiziellen» stände-staatlichen<< Kulturpolitik fanden im Volkskundemuseum aber auch
Forschung und Zielsetzung aufgezeichnet hat. So ist Wilhelm Heinrich Riehldas leuchtende Vorbild der Volkskunde unserer Tage, dem nachzustreben immerschönste Aufgabe und heiligste Pflicht ist.« ÖMV, Archiv, Ktn. 20/1934, MappePhotothek, N.N.( vermutlich Walter Krieg), Stubenrauch- Verlag an Arthur Haber-landt betreffend Wilhelm- Heinrich- Riehl- Preis der deutschen Volkskunde, 9.7.1934,Hervorhebg. i. Original. Der Vorsitzende der Jury war der Berliner VolkskundlerAdolf Spamer.
19 ÖMV, Archiv, Ktn. 20/1934, Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, Verwal-tungsausschuẞ des Wilhelm- Heinrich- Riehl- Preises, an Arthur Haberlandt, o.D.( 1934).
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Emmerich Tálos: Das austrofaschistische Herrschaftssystem. In: Emmerich Tálos,Wolfgang Neugebauer( Hg.): Austrofaschismus. Politik- Ökonomie- Kultur 1933-1938. Wien 2005, S. 394-420.
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