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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4
Michael Haberlandt, und sein Sohn, Arthur Haberlandt), vertraten eineSachvolkskunde, aus der sich das Fach entwickelt hatte: Ethnien undGruppen sollten über ihre Objektivationen erforscht und» verstanden<<werden. Jüngere Fachvertreter_innen( vorwiegend zwischen 1900 unddem Ersten Weltkrieg geboren), die vor allem aus der Jugendbewegungbzw. der Bündischen Jugend kamen, zeigten verstärktes Interesse an derGroßstadt und ihren kulturellen Phänomenen. Sie praktizierten Volks-kunde als Reformprogramm und» politische Wissenschaft<< 16, derenErkenntnisse für ein zu schaffendes nationales, regionales und/ oder völ-kisches Selbstverständnis nutzbar gemacht werden sollten. Ihr Entwurfeiner anwendungsorientierten» Gegenwartsvolkskunde«< öffnete dieVolkskunde für die Beteiligung an zeitgenössischen gesellschafts- politi-schen, kulturellen und sozialen Prozessen. Viele der vor allem auch inder aktiven>> Volkstumsarbeit«< engagierten jungen Volkskundler_innen( Karl und Grete Horak, Karl Haiding, geb. Paganini, Richard Wolfram,Alfred Karasek, Franz Koschier, Franz Vogl, Elli Starzacher und andere)sahen in der Sammlung und Darstellung volkskultureller Phänomene nureine der Aufgaben der Wissenschaft. Mindestens ebenso wichtig warihnen die konkrete Anwendung, die sie als» Verlebendigung« oder» Wie-dererweckung«< von überliefertem bzw. zu gestaltendem Volkskulturgutverstanden und betrieben. In besonderer Weise setzte der spätere Muse-umsdirektor Leopold Schmidt etwa auch in seiner 1935 abgeschlossenen>> Wiener Volkskunde« 17 die» Gegenwartsvolkskunde« mit der» Groß-stadtvolkskunde<< in Verbindung. Darin stand er zum einen den anwen-dungsorientierten Volkskundler_innen eher distanziert gegenüber, zumanderen war er aber als Gewinner des 1935 erstmals verliehenen>> Wil-helm- Heinrich- Riehl- Preises der deutschen Volkskunde<< 18 mit dem
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So dezidiert haben dies die Wiener Volkskundler und Mythologen Karl Spieß undEdmund Mudrak, beide ideologische wie auch wissenschaftliche Vorbilder der jun-gen Generation, freilich erst im Rahmen einer nationalsozialistischen disziplinärenAusrichtung 1938 formuliert. Vgl. dazu. Karl v. Spieß, Edmund Mudrak: DeutscheVolkskunde als politische Wissenschaft. Zwei Aufsätze. Berlin 1938.
17 Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Ein Aufriss. Wien 1940.
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Der Stifter dieses Preises hielt die Ausrichtung desselben wie folgt fest:>>... will ichnunmehr einen Preis stiften, der den Namen WILHELM HEINRICH RIEHL-PREIS DER DEUTSCHEN VOLKSKUNDE tragen soll. War es doch dieser Alt-meister der deutschen Volkskunde, der in einer heute noch vorbildlichen und uner-reichten Weise die großen, wegweisenden Grundlinien lebendiger volkskundlicher