Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Johler, Birgit; Puchberger, Magdalena: Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien
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Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?

sion14. In Folge zunehmender Nationalisierung und einer postuliertenGemeinschaft auf Grundlage deutschen Volkstums erfuhr die Volks-kunde Ende der 1920er-, Anfang der 1930er- Jahre allgemein wachsendepolitische Aufmerksamkeit, was dem Museum wiederum Einflusssphä-ren eröffnete. Da in Wien bis 1939 auch kein eigenes volkskundlichesUniversitätsinstitut existierte, waren in der österreichischen Bundes-hauptstadt das Museum und seine volkskundlichen Akteure und( weni-gen) Akteurinnen in ihrer wissenschaftlichen Kompetenz weitgehendunangefochten, und auch das Haus als volkskundlich- wissenschaftlicheInstitution mit eigener Fachbibliothek anerkannt. Die von 1918 bis 1945als>> Museum für Volkskunde« geführte Institution trug mit ihren unter-schiedlichen Wissensformaten( interne wie externe Ausstellungen, diehauseigene Wiener Zeitschrift für Volkskunde, Vorträge, Radiobeiträge,Kurse, Publikationen in anderen Medien u.v.m.) wesentlich dazu bei, dieVolkskunde als Wissenschaft in Wien zu stärken und ihre Inhalte mitgesellschaftlicher Relevanz zu versehen. Dafür sorgten die Protagonist_

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auf der Ebene der Vereinsleitung und-funktionen 15, aber auchauf der Ebene der Repräsentation und der Vermittlung von Inhalten fürunterschiedliche wissenschaftliche, politische, administrative, kulturelleund auch soziale Gruppierungen, mit denen sie im Austausch waren undzielgruppenspezifische Angebote erarbeiteten.

Die in der Zwischenkriegszeit sich intensivierenden Wechselbezie-hungen zwischen Museum und Stadt sind auch einer neuen Genera-tion von Volkskundler_innen geschuldet: Ältere Vertreter der Volks-kunde, die am Museum verankert waren( so etwa der Museumsgründer,

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1928-1980(= Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 5).Stuttgart 2009.

Zur Herausbildung der Internationalen Volkskunstkommission s. u.a. Nina Gor-gus: Die deutsche Volkskunde und die Volkskunst. Prager Kongress 1928. In: HerbertNikitsch, Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der Österreichischen Volks-kundetagung 1995 in Wien(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift für Volks-kunde, 14). Wien 1997, S. 55-65.

So war etwa Otto Glöckel, Präsident des Wiener Stadtschulrates und Nationalrats-abgeordneter der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, von 1924 bis 1934in derVereinsleitung als Vizepräsident vertreten. Niktisch 2006( wie Anm. 2), S. 408.Dies führte u.a. zum Ankauf von 500 Stück des 1930 produzierten» Museumsfüh-rers<< durch den Wiener Stadtschulrat zwecks Verteilung in Wiener Schulen. ÖMV,Archiv, Ktn. 16/1930, Verhandlungsschrift der Sitzung des Vereins- und Muse-umsausschusses, 13.10.1930.

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