190 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 3+ 4
Aspekten skizziert, die wir als entscheidend für diese Jahre und auch fürdas Volkskundemuseum identifiziert haben: Zunächst wird das Museumals Ort der volkskundlichen Wissenschaft behandelt, anschließend wirddie Bedeutung der Sammlungen und Gegenstände für die Institution,aber auch für die( Kultur) Politik aufgezeigt. Ein weiterer Aspekt behan-delt den lebhaften Austausch des Museums mit der Stadt im Kontextvolkskultureller Praktiken. Zuletzt werden die> nachhaltigen< Netzwerkeangesprochen, die am und um das Museum aufgebaut wurden und in den1930er- Jahren ihre Blütezeit fanden.
Volkskunde in der Zwischenkriegszeit- eine Leitwissenschaft
In der Zwischenkriegszeit wandelten sich in der Laudongasse 15-19die Formen volkskundlicher Wissensproduktion: Das Volkskundemu-seum war nicht mehr nur Zeigeort und Ort wissenschaftlichen Arbei-tens, es wurde zusehends zum Zentrum und Kristallisationspunkt dervolkskundlich- volkskulturellen Praktiken und Netzwerke in Wien undÖsterreich. Schon der Umzug des Museums im Jahr 1917 in das baro-cke Palais Schönborn in der bürgerlichen Josefstadt war bedeutungsvollsowohl für das Selbstwertgefühl der Museumsakteur_innenwie auch in der Wirkung der Institution nach außen. Von jenem Zeit-punkt an konnte das Museum, gestützt durch Politik und Regierung,den nationalen Anspruch, die Volkskunde Österreichs( bzw. kurzzeitignoch der k.k.- Monarchie) in ihrer ganzen Breite zu beherbergen, für sichreklamieren.
gewesen
Ein Grund für die Dynamisierung des Museums in der Laudongassewar, dass sich die Volkskunde gegen Ende der 1920er- Jahre zusehendsin akademischen wie auch breiteren gesellschaftlichen Kontexten etab-liert hatte. Ihre» Disziplinierung« auch in Österreich war ausreichendfortgeschritten, um die volkskundlichen Akteure des Museums in große,auch internationale Forschungsprojekte einzubinden etwa in das>> Atlasunternehmen« 13 oder in die Internationale Volkskunstkommis-
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Zur Bedeutung des nach dem Ersten Weltkrieg initiierten und von der DeutschenForschungsgemeinschaft geförderten» Atlas der deutschen Volkskunde<< für dievolkskundliche Wissenschaft s. Friedemann Schmoll: Die Vermessung der Kultur.Der» Atlas der deutschen Volkskunde« und die Deutsche Forschungsgemeinschaft