Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?
geschlossen und gestalteten und praktizierten ab Mitte der 1920er- Jahrein der Bundeshauptstadt Wien eine spezielle Vereins- und Freizeitkultur.Diese bewegte sich ideell zwischen den sozialistischen Leitbildern vonpersönlicher und kollektiver Freiheit, von Selbstbestimmung, Frieden,Demokratie und Internationalismus auf der einen Seite und» heimatli-chen<< Werten wie Tradition und Volkstum auf der anderen. Die Arbei-ter- Trachtler beteiligten sich im Bund wie auch in den Wiener Mitglieds-vereinen an der öffentlichen Stadtkultur, etwa durch die im Vereinslebenerprobten volkskulturellen Formate wie Schau- und Preistanzen oderauch Trachtenumzüge. Durch ihre Orientierung am» Heimatlichen«< und>> Eigenen<< kamen sie in Kontakt mit den Wiener Volkskulturgrößen undvor allem auch mit dem Volkskundemuseum und der dort seit Beginn der1930er- Jahre angesiedelten Österreichischen Heimatgesellschaft¹², diewiederum ihre Expertise gern mit den mitgliederstarken Großstadtver-einen teilten. Die proletarische Heimatkultur im Roten Wien traf sichgerade in der volkskulturellen Praxis mit den massentauglichen und stim-mungsvollen Inszenierungen der konservativen bis völkischen Kreise,allen voran des Deutschen Volksgesangvereins in Wien mit den lokalenVolksliedforschern Raimund Zoder, Georg Kotek oder auch Karl Mag-nus Klier und der Wiener Urania mit dem Volkstanzkreis um RaimundZoder.
In den 1930er- Jahren entwickelte sich das Volkskundemuseum zueinem mannigfaltigen Erlebnis- und Wissensort. Volkskunde, Museumund Stadt gingen eine Symbiose ein, die sich so zuvor noch nicht gezeigthatte und die sich in vielerlei Hinsicht als fruchtbar erweisen sollte.Deren Bedingungen und Wirkungen werden im Folgenden unter vier
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Die Österreichische Heimatgesellschaft war 1928 zunächst als Wiener Traditions-verein gegründet worden und hatte den offiziellen Sitz an der Privatadresse seinesVorstandes Robert Mucnjak, in der Burggasse 19, Wien 8. Die wöchentlichenVereinsabende fanden in der nahen Gastwirtschaft Hermann, Burggasse 21, statt.Die Vereinszeitschrift Heimatland erschien ab 1929, musste aber bis 1934 eingestelltwerden, weil die Geldmittel des Vereins wie der Mitglieder wegen der Wirtschafts-krise nicht ausreichend waren. Mit dem austrofaschistischen System ging es mitder ÖHG ebenso wie mit dem Museum bergauf, die Anschrift der ÖHG war zudiesem Zeitpunkt die der Adresse des Volkskundemuseums. S. dazu Österreichi-sches Museum für Volkskunde/ ÖMV, Archiv, Ktn. 18/1932, Mappe Heimatschutz,Schreiben der Österreichischen Heimatgesellschaft an ihre Mitglieder, Oktober1932. Vgl. dazu Puchberger 2012( wie Anm. 11).
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