Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?
schichte, sondern eine neue Form von Museumsgeschichte. Wesentlichist in diesem Sinne, dass das Projekt mit den Akteur_innen auch derenBeschäftigung mit den volkskundlichen Objekten bzw. Objektivationen,also die an Objekte geknüpften Ideen, Werte oder Vorstellungen, in denMittelpunkt rückt. An Objekten lassen sich maßgebliche Konstruktio-nen und Repräsentationen volkskundlichen Wissens und volkskundli-cher Wissensformate analysieren, die wiederum in Zusammenhang mitmusealen Strategien, Orientierungen und Handlungen zu betrachtensind. Objekte und Praktiken erweisen sich als elementar für die Ana-lyse musealer Strategien, Orientierungen und Handlungen bzw. für dasVerständnis der sich verändernden Relationen zum wissenschaftlichen,musealen, kulturell- politischen und urbanen Umfeld.
Mit dem FWF- Nachfolgeprojekt im Bereich der Wissenschafts-kommunikation, das im Herbst 2017 in eine Ausstellung mit dem Titel>> Heimat: Machen. Volkskultur in Wien zwischen Alltag und Ideologieum 1930<< münden wird, haben sich Perspektiven noch einmal erweitertbzw. Schwerpunkte verlagert. In den Vordergrund rückt die Frage, wiesich das volkskundliche und volkskulturelle Feld im VolkskundemuseumWien ausgestaltete und präsentierte und wie diese Repräsentationen mitder Großstadt Wien und den sich hier zeigenden kulturellen Praktikenin Verbindung zu bringen sind. Damit wird die Perspektive der Produ-zent_innen von» Volkskultur« mit der Rezeption der Volkskunde undihrer Wissensangebote verknüpft. Gerade anhand dieses volkskulturel-len Ortes lässt sich zeigen, wie sehr diese beiden Bereiche oder Felderineinander übergehen. Sowohl die von Veränderungen gekennzeich-neten Interessen und Motivationen der Akteur_innen wie auch derenzwischen Produktion und Aneignung von» Volkskultur« changierendenPraktiken im Zusammenspiel von Zuschauen und Teilhaben, von Theo-rie und Praxis und von den jeweiligen Akteur_innen sind eng miteinan-der verbunden. Die vielzitierte( und auch diskutierte) Frage» Wem nütztVolkskunde«<, die Dieter Kramer 1970 für das Fach formulierte 10, wird zu>> Wer nutzt Volkskunde« und rekurriert damit zum einen auf konkrete
9 Gitta Böth: Kleidungsforschung. In: Rolf Wilhelm Brednich( Hg.): Grundriß derVolkskunde: Einführung in die Forschungsfelder der europäischen Ethnologie.Berlin 1988, S. 153-170, S. 162 f.
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Dieter Kramer: Wem nützt Volkskunde? In: Zeitschrift für Volkskunde, 66, 1970,S. 1-16, sowie die im Anschluss an den Beitrag publizierten Diskussionsbeiträge.
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