Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?
hen wissenschaftlichen Akteur_innen³ gerade der Volkskunde, die sichnicht an den Universitäten, sondern in Vereinen und an den Museen her-ausgebildet hatte.
Zweitens verkörperte das ÖMV für den Untersuchungszeitraumden lokal wie national entscheidenden Ort der volkskundlichen Wis-senschaft. Im Volkskundemuseum in Wien waren die konstituieren-den und tragenden Komponenten der im ausgehenden 19. Jahrhundertsich etablierenden Disziplin verankert: der wissenschaftliche Verein, dieZeitschrift für österreichische Volkskunde – dem vom Verein 1895 begrün-deten wissenschaftlichen Publikations- und Kommunikationsorgan-,ein volkskundlich- ethnographischer Lehrbetrieb( mit universitären Vor-lesungen in der Bibliothek) sowie die volkskundlichen Wissensbestände( Objekte, Bibliothek, Fotosammlung).
Und drittens ist das ÖMV als Ort sozialer und ideologischer Praxiszu verstehen: Es ist als Bühne und Rahmen für zeitgenössische Ausfor-mungen, Performanzen und Prozesse der( nationalen) Volkskultur zubegreifen und damit in den Kontext der diesen Prozessen nahestehendenurbanen Jugend- und Populärkulturen einzuordnen. Für die Multifunk-tionalität des Volkskundemuseums ist so die Beschäftigung mit unter-schiedlichen Akteur_innen, Akteursgruppen( Expert_innen wie volks-kundliche Lai_innen) relevant, gestalteten und multiplizierten diesedoch über Objekte und Praktiken Deutungen, Anleitungen und letztlichNormierungen im volkskundlichen und volkskulturellen Feld Wiensund Österreichs.
Im Folgenden werden anhand knapp gefasster Thesen die Ergeb-nisse der Untersuchung zu einem Überblick zusammengestellt. Dabeiversuchen wir, die Dynamiken und den Wandel der Institution und auchdes volkskundlich- volkskulturellen Feldes für den Untersuchungszeit-raum sichtbar zu machen. Wir folgen dabei unserer Prämisse, dass die1930er- Jahre bis zur Etablierung des NS- Systems im Jahr 1938 elementarfür die Einordnung der Geschichte des ÖMV sind. Sie waren in ihrenAusprägungen entscheidend für die Institution und die musealen Pro-
3 Im Untersuchungszeitraum sind- bis auf wenige Frauen- in erster Linie männli-che Akteure im Museum und dessen volkskulturellen Umfeld zu benennen. Wirdim Folgenden die gendergerechte Formulierung verwendet, sind damit explizitFrauen als Handelnde gekennzeichnet.
185