Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Johler, Birgit; Puchberger, Magdalena: Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wer nutzt Volkskunde? Perspektiven auf Volkskunde, Museum und Stadt am Beispiel des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien
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Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Wer nutzt Volkskunde?

hen wissenschaftlichen Akteur_innen³ gerade der Volkskunde, die sichnicht an den Universitäten, sondern in Vereinen und an den Museen her-ausgebildet hatte.

Zweitens verkörperte das ÖMV für den Untersuchungszeitraumden lokal wie national entscheidenden Ort der volkskundlichen Wis-senschaft. Im Volkskundemuseum in Wien waren die konstituieren-den und tragenden Komponenten der im ausgehenden 19. Jahrhundertsich etablierenden Disziplin verankert: der wissenschaftliche Verein, dieZeitschrift für österreichische Volkskunde dem vom Verein 1895 begrün-deten wissenschaftlichen Publikations- und Kommunikationsorgan-,ein volkskundlich- ethnographischer Lehrbetrieb( mit universitären Vor-lesungen in der Bibliothek) sowie die volkskundlichen Wissensbestände( Objekte, Bibliothek, Fotosammlung).

Und drittens ist das ÖMV als Ort sozialer und ideologischer Praxiszu verstehen: Es ist als Bühne und Rahmen für zeitgenössische Ausfor-mungen, Performanzen und Prozesse der( nationalen) Volkskultur zubegreifen und damit in den Kontext der diesen Prozessen nahestehendenurbanen Jugend- und Populärkulturen einzuordnen. Für die Multifunk-tionalität des Volkskundemuseums ist so die Beschäftigung mit unter-schiedlichen Akteur_innen, Akteursgruppen( Expert_innen wie volks-kundliche Lai_innen) relevant, gestalteten und multiplizierten diesedoch über Objekte und Praktiken Deutungen, Anleitungen und letztlichNormierungen im volkskundlichen und volkskulturellen Feld Wiensund Österreichs.

Im Folgenden werden anhand knapp gefasster Thesen die Ergeb-nisse der Untersuchung zu einem Überblick zusammengestellt. Dabeiversuchen wir, die Dynamiken und den Wandel der Institution und auchdes volkskundlich- volkskulturellen Feldes für den Untersuchungszeit-raum sichtbar zu machen. Wir folgen dabei unserer Prämisse, dass die1930er- Jahre bis zur Etablierung des NS- Systems im Jahr 1938 elementarfür die Einordnung der Geschichte des ÖMV sind. Sie waren in ihrenAusprägungen entscheidend für die Institution und die musealen Pro-

3 Im Untersuchungszeitraum sind- bis auf wenige Frauen- in erster Linie männli-che Akteure im Museum und dessen volkskulturellen Umfeld zu benennen. Wirdim Folgenden die gendergerechte Formulierung verwendet, sind damit explizitFrauen als Handelnde gekennzeichnet.

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