Chronik der Volkskunde
>> Wir und die Anderen<<
Ausstellung des Ungarndeutschen Museums in Tata
» Wir und die Anderen«< ist der Titel der am 18. Mai 2016 eröffneten Aus-stellung im Ungarndeutschen Museum( Német Nemzetiségi Múzeum)in Tata. Klára Kuti, die Kuratorin der Ausstellung, hat im Museum, dasauf zwei Stockwerken in der Nepomuks- Mühle untergebracht ist, eigent-lich zwei Ausstellungen eingerichtet. Denn in einem ersten Teil erläuternim Erdgeschoss Texte und Bilder eingangs die Prinzipien des Sammelnsund zeigen die Rolle von Museen für moderne Gesellschaften und derenPraxis der Erinnerungskultur. Der zweisprachig abgefasste Text erklärtGeschichte sehr klar als Erzählung für die Gegenwart, genauer noch: alseine Vielzahl von Erzählungen für die jeweilige Gegenwart. Damit wirdauch einsichtig, dass ein Museum über die Geschichte der Deutschenin Ungarn als Institution der Moderne eine Vergangenheit nur von derGegenwart her erzählen kann, was gerade auch in ihren Verstrickungenmanifest wird. Es geht um Erinnerungen und Geschichten, es geht umÜberliefertes und es geht darum, was Interpreten als Deutungseliten fürwichtig erklären. Doch es gibt immer auch die Erinnerungen der Ande-ren, eben derer von Nebenan.
Für mehrere Volksgruppen, die man auch als Minderheiten bezeich-net hat, sind in Ungarn Museen eingerichtet worden. Die slowakischeVolksgruppe hat das ihre in Bekescaba, dort also, wo viele Slowakenangesiedelt wurden und bis heute leben. Das Ungarndeutsche Museumin Tata ist insofern von einer gewissen Besonderheit, als in der Regionnie auffällig viele deutsche Siedler wohnten, wie etwa in dem als Schwä-bische Türkei benannten Gebiet um Pécs. Die Burg in Tata kam im18. Jahrhundert in den Besitz der Familie Esterházy, die den Ort zumVerwaltungszentrum ihrer Besitzungen ausbaute und durch den Hofbau-meister Jakob Fellner mit Schloss, englischem Garten, Gästeschloss undKirchen barock ausgestalten ließ.
Die Ausstellung» Wir und die Anderen« des UngarndeutschenMuseums will nicht die Geschichte einer ethnischen oder nationalenMinderheit beschreiben. Sie geht, anders als Heimat- und Ethnomuseensonst, auf das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit ein. Indem es diejeweils Anderen benennt, wird der Umgang mit dem Anderen, dem alsfremd Erfahrenen ihr Thema. Es geht um Bilder vom Anderen, um die
135