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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2
szenen aufwies. Der Spielkartensammler Klaus Reisinger teilte 1996 dieIndustrie- und- Glück- Tarocks in acht zeitliche Entwicklungsstufen oderSchemata ein¹0, beginnend mit dem vom Wiener SpielkartenerzeugerCarl Holdhaus 1824 aufgelegten Tarock als Schema 1, dessen Trumpfkar-ten bereits überwiegend mit Genreszenen aus dem Kaiserreich Österreichillustriert waren. Die 2015 in die Sammlungen des Museums eingegan-genen Tarockkarten gehören zu Schema 5, das etwa ab 1860 in Gebrauchkam und sich zwischen 1885 und 1939 besonderer Popularität erfreute.Unter der Bezeichnung» Kaffeehaus- Tarock« wird es noch heute von derFirma Ferd. Piatnik& Söhne produziert. Die heutige Ausgabe basiert aufeiner Vorlage von Josef Neumayer aus dem Jahr 1884. Diese Jahreszahlund das Monogramm Josef Neumayers sind auch auf den neuerworbe-nen Karten des Volkskundemuseums zu erkennen.
Die Motive der Industrie- und- Glück- Tarocks wurden unter ande-rem von den Darstellungen der verschiedenen Sondertarocks beeinflusst.1829 heißt es in der Ankündigung eines» Nationalitätentarocks«< desWiener Kartenfabrikanten Johann Georg Steiger( vormals der Betriebvon Johann Norbert Hofmann):» Auf den zwanzig Tarocks zeigen sichdie verschiedenen Nationaltrachten der Stämme des Kaiserstaates inrecht ansprechenden Darstellungen«." Einige dieser» Nationaltrachten<<wurden in das Bildprogramm der Industrie- und- Glück- Tarocks über-nommen. Aus einem Wiener Volkstypentarock Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypentarock stammt wiederum dasSujet des Tiroler Teppichhändlers, das um 1830 zum Bildprogramm derIndustrie- und- Glück- Tarocks hinzukam. Dieses Motiv scheint den bild-lichen Darstellungen der Kaufrufe entnommen worden zu sein. Bereitsim 18. Jahrhundert wurde die Welt der umherziehenden Handwerkerund Wanderhändler für den bürgerlichen Blick festgehalten, und im Bie-dermeier erlangte diese Bilderwelt der Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen auf den Mandlbogen( Ausschneidebögen) neue Beliebtheit. Bei Schema 5, also auch auf denKarten im Museumsbestand, schreitet auf Tarock- II der Teppichhänd-ler auf die Hofburg zu, vorbei am Erzherzog- Carl- Reiterdenkmal. Vomsogenannten Chinesen- Meeresfabelwesen- Tarock wurden hingegender Harfe spielende Harlekin und seine Kolombine mit dem Tamburinsowie der große Harlekin auf dem Sküs, der den kleineren auf der Spitze
10 Schema 1, 2, 3, 4, 5, 5/6, 6, 7, vgl. Alscher( wie Anm. 5), S. 63.
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Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, Nr. 149 vom 12.Dezember 1829, S. 1228.